Rot wie der Himmel

© Adriana Chiesa Enterprises srl

ROT WIE DER HIMMEL
(ROSSO COME IL CIELO)

UNICEF-Preis Internationales Kinderfilmfestival 2008

Durch einen tragischen Unfall verliert Mirco sein Augenlicht und muss in einem Internat für blinde Kinder weit weg von seinen Eltern zur Schule gehen. Mirco reagiert anfangs mit Wut und Aggression auf seine neue Situation, aber bald findet er Trost darin, seine Umwelt durch Geräusche neu wahrzunehmen. Eine Hausaufgabe zum Thema Jahreszeiten öffnet ihm die Tür zu einer anderen Welt und verhilft ihm zu neuen Freundschaften mit Schulkollegen und der Tochter des Hausmeisters. Aber in der konservativen katholischen Schule im Italien des Jahres 1971 ist nur wenig Platz für das kreative Potenzial der Schüler.

Der Film basiert auf der Lebensgeschichte von Mirco Mencacci, einem der besten Tongestalter des italienischen Films. Behutsam und ohne Sentimentalität erzählt er eine bemerkenswerte Geschichte.

 

Kritik der Kinderjury

Uns hat begeistert, dass der Regisseur diese wahre Geschichte gefunden und einen Film daraus gemacht hat! Über blinde bzw. anderweitig benachteiligte Kinder gibt es unserer Meinung nach viel zu wenige Filme. Uns ist durch diesen Film bewusst geworden, wie sehr wir uns im Alltag auf unseren Seh-Sinn verlassen, obwohl wir vielleicht so wie Mirco noch ganz andere Fähigkeiten hätten, die wir einfach nur nicht gut genug nutzen. Wir haben es sehr genossen, uns in die Welt eines blinden Kindes hineinzuversetzen und haben teilweise sogar die Augen zugemacht, um Mircos Welt der Töne und Geräusche ganz sinnlich erleben zu können. Mircos Kreativität beim Erzeugen der Töne, aber auch die Fantasie aller anderen blinden Kinder haben wir sehr bewundert. Ganz deutlich herausgekommen ist auch, dass es in den 1970er Jahren noch nicht so üblich war, blinde Kinder gleichberechtigt zu behandeln und ihnen die gleichen Chancen einzuräumen wie „normalen“ Kindern. Eigentlich setzt sich ja nur der junge Priester-Lehrer Don Giulio für Mirco ein, er riskiert sogar seinen Job, als er sich gegen den Direktor stellt, um eine neue Show durchzusetzen.

Die Szene, in der Mirco den Unfall mit dem Gewehr hat und blind wird, war für uns ein Schock, obwohl wir darauf vorbereitet waren. Kleine Details wie der wackelnde Sessel oder die Zeitlupe waren schon Andeutungen darauf, dass gleich etwas geschehen wird. Dennoch war diese Szene wirklich ganz schrecklich für uns.

Sehr gut gefallen hat uns, wie sich die Freundschaft zwischen Mirco und Francesca entwickelt. Eine der schönsten Szenen im Film ist jene, in der sie sich gegenseitig das Gesicht abtasten, um sich „mit den Händen zu sehen“. Die Annäherung an seine Mitschüler erfolgt hingegen eher zögerlich. Felice ist der erste, der Mircos Freund wird. Auch diese beiden haben eine ganz wunderbare gemeinsame Szene: Im Baum sitzend erklärt Mirco, der vor seinem Unfall ja sehen konnte, dem seit seiner Geburt blinden Felice die verschiedenen Farben (daher auch der Titel des Films!). Ansonsten fanden wir alle Geräuschemacher-Szenen, die Tonbänder als beste Hausübung und den heimlichen Ausflug ins Kino besonders toll. Der Film hat mit dem „Blinde Kuh-Spiel“ der Kinder in Mircos Heimatort auch eine wunderbare Klammer, die jeweils Beginn und Ende des Films markiert.

Die Kamera setzt Mircos zunehmende Blindheit sehr gut in Bilder um. Mehrmals sieht man die Welt quasi aus seinen Augen, z.B. als er ganz stark verschwommen gerade noch die Konturen seiner Eltern wahrnehmen kann, die ihm zuwinken. Seine Sehkraft wird noch einmal schlechter, und wieder übernimmt die Kamera das für die Bilder und alles wird noch undeutlicher. Die Musik hat ganz fantastisch zum Film gepasst, und das Geräuschemachen war für uns große Filmfans natürlich sehr interessant zu sehen. Toll, dass der wahre Mirco das zu seinem Beruf machen konnte!

Dieser gefühlvolle Film hat uns sehr bewegt und gerührt. Wir konnten uns sehr gut in Mircos Situation hineinversetzen und mit ihm „mitleben“. Ein wunderschön trauriger Film mit einem ernsthaften Anliegen, der uns gleichzeitig aber auch die unglaubliche Lebensfreude einer Gruppe von blinden Kindern nahe gebracht hat!

 

Preisbegründung der Kinderjury (UNICEF-Preis)

Dieser gefühlvolle Film hat uns sehr bewegt und gerührt. Wir konnten uns gut in Mircos Situation hineinversetzen und mit ihm "mitleben". Über blinde bzw. anderweitig benachteiligte Kinder gibt es unserer Meinung nach viel zu wenige Filme.

Dieser Film setzt sich ganz besonders für die Rechte dieser Kinder ein. Blinde Kinder sollten gleich behandelt werden wie "normale" Kinder und auch gleiche Chancen bekommen, sich selbst zu verwirklichen und ihre Kreativität auszuleben. Mirco findet seinen Weg, indem er die Welt der Töne und Geräusche entdeckt und bei der Gestaltung eines Hörspiels seinen ausgeprägten Gehörsinn einsetzt. Ein wunderschön trauriger Film mit einem ernsthaften Anliegen, der uns gleichzeitig aber auch die unglaubliche Lebensfreude einer Gruppe von blinden Kindern nahe gebracht hat.

Italien 2006
90 Minuten, Farbe

Regie: Cristiano Bortone
mit: Luca Capriotti, Francesco Campobasso, u. a.

empfohlen von
8 bis 12 Jahren