SATELLITE BOY

© Celluloid Dreams

SATELLITE BOY

Pete und sein Großvater Jubi leben in den Überresten eines verlassenen Freiluftkinos am Rande einer Aboriginal-Siedlung im Outback. Petes Mutter ist in die Stadt gezogen und hat sich lange nicht mehr gemeldet. Jubi spricht mit seinem Enkel oft über die heilige Verbindung seines Volkes mit dem Land der Vorfahren und geht ihm damit auf die Nerven. Als eine Bergbaugesellschaft die Behausung der beiden abreißen will, bricht Pete mit seinem Freund Kalmain in die Stadt auf, um das zu verhindern. Die beiden Jungen verirren sich im Busch, und nun besinnt sich Pete auf all das, was er von seinem Großvater gelernt hat.

Gefilmt in den bizarr-schönen Weiten Nordwestaustraliens, vermittelt der Film eine Ahnung von der ursprünglichen Würde eines Volkes, das durch den erzwungenen Bruch mit seiner traditionellen Lebensweise immer mehr untergeht.

 

Kritik der Kinderjury

Obwohl die Geschichte auch ein paar traurige oder zumindest nachdenkliche Seiten hat (vor allem hinsichtlich der Mutter von Pete), hat sie uns sehr gut gefallen. Zwei Freunde im australischen Outback, ohne Essen, die nur durch ein paar glückliche Zufälle und Petes von seinem Großvater weitergegebenem Wissen überleben – das ist einfach toll (besonders lustig: das Stopfen der Fahrradreifen mit Stroh)! ABSATZ Spannend war für uns auch, welche Entscheidung der 10-jährige Pete am Ende treffen wird, also wie und wo er in Zukunft leben möchte, in der Wildnis oder in der Stadt. Gerne hätten wir noch gewusst, wie es mit Petes Freund Kalmain weitergeht und ob sich die beiden wiedersehen werden.

Eine Szene, die uns besonders gut gefallen hat, war die Lagerfeuer-Szene, in der rituelle Tänze der Aboriginals samt Körperbemalung und passender Musik zu sehen sind. Wir haben richtig Lust darauf bekommen, noch mehr über das reiche kulturelle Erbe und die Bräuche der Aboriginals zu erfahren („Traumzeit“ und „Walkabout“ werden im Film angesprochen).

Die Bilder der australischen Landschaft sind beeindruckend, vor allem die Flug-Aufnahmen von der Bungle Bungle Range (in der Kimberley-Region im Nordwesten). Auch der unmittelbare Wohnort von Pete und seinem Großvater, ein ehemaliges Autokino samt (kaputter) Leinwand und Lautsprechern, ist ein perfekt ausgewählter Schauplatz. Die flimmernde Hitze und die große Verbundenheit zwischen Mensch und Natur sind für uns über die Bilder jedenfalls sehr gut spürbar geworden. Einige Detail-Aufnahmen wie etwa von den Füßen oder vom Schmutz beim Duschen sind ebenfalls wichtig für den Film.

Es gibt einige sehr schöne Bildübergänge bzw. Zwischenschnitte im Film (Feuer, Höhlenmalereien, Nachthimmel mit Sternen, Sessel als „Sonnenuhr“ usw.). Die Parallel-Montagen zwischen den Geschehnissen rund um Pete bzw. seinen Großvater zu Hause haben uns auch gut gefallen, denn so bekommt man stets mit, wie es den beiden gerade ergeht. Der Darsteller des Großvaters Jagamarra, der in Australien sehr bekannte Aboriginal David Gulpilil, war übrigens unser Lieblingsschauspieler im Film, weil er in seiner Rolle so glaubwürdig und einfach cool ist. Aber auch die Buben, die zum ersten Mal große Rollen spielen, machen ihre Sache gut.

Für manche von uns hat dem Film ein wenig die durchgängige Spannung gefehlt. Den anderen hat es aber nichts ausgemacht, sich auf das etwas langsamere Film-Tempo und eine Geschichte ohne große Action einzulassen. Einig waren wir uns aber alle darüber, dass dieser Film ein 100% passender Film fürs Kinderfilmfestival ist, denn man bekommt die Möglichkeit, eine Geschichte über Kinder und ihre Abenteuer in einem ganz anderen, uns nahezu unbekannten Teil der Welt zu sehen.

Über den Titel des Films haben wir uns auch ein paar Gedanken gemacht. Die Sterne spielen jedenfalls eine wichtige Rolle im Film (in Petes „Zimmer“, aber auch zur Orientierung, und es geht immer wieder um die Verbindung zwischen Himmel und Erde). Eine Satelliten-Schüssel kommt auch vor. Aber vielleicht wollt ihr euch den Film ja noch ansehen und euch selbst eine Meinung dazu bilden?

 

Australien 2012
90 Minuten, Farbe

Regie: Catriona McKenzie
mit: Cameron Wallaby, Joseph Pedley, David Gulpilil u. a.

empfohlen ab 12 Jahren

Catriona McKenzie
Catriona McKenzie