Der Schmetterling

© Internationales Kinderfilmfestival

DER SCHMETTERLING
(LE PAPILLON)

Julien war Uhrmacher und lebt in seinem Ruhestand zurück gezogen in seiner wohl geordneten Welt, in der er sich ausschließlich seiner umfangreichen Schmetterlingssammlung widmet. Elsa ist ein kleines Mädchen, das sich von ihrer Mutter vernachlässigt fühlt. Mehr zufällig als gewollt brechen die beiden zu einer gemeinsamen Tour in die Berge auf, um einen seltenen Schmetterling zu finden, den Julien schon seit vielen Jahren sucht. Der alte Mann ist anfangs abweisend, doch in der Einsamkeit der Berge öffnet er sich immer mehr der frischen Unbekümmertheit Elsas, und beide lernen dadurch, ihrem Leben eine neue Wendung zu geben.

Eine feinsinnige Komödie für die ganze Familie, die Melancholie und Heiterkeit auf wundersame Weise zu mischen vermag.

 

Kritik der Kinderjury

Uns hat gut gefallen, dass der Film traurig und lustig zugleich war. Er fordert die ZuseherInnen sehr zum Nachdenken heraus, weil er viele Lücken lässt, bei denen man selber weiter denken muss. Wir fanden es gut, mitdenken und kombinieren zu müssen, um an der Geschichte dran zu bleiben.

Der Regisseur hat die Handlung sehr gut durchdacht. Man erfährt langsam, wie alles zusammen gehört. Viele Szenen am Ende werden bereits zu Beginn des Films durch kleine Details angedeutet und lösen sich dadurch am Ende besonders schön auf (z.B. am Anfang wird ein Kokon gezeigt, aus dem dann am Ende der Schmetterling Isabella schlüpft). Obwohl es ein eher typisches Happy End gegeben hat, war das nicht kitschig, sondern realistisch und hat gut zum Film gepasst.

Während ihrer langen Wanderung durch die Berge bleibt für Elsa und Julien viel Zeit für Gespräche. Sie philosophieren über wichtige Themen des Lebens und finden oft treffende Wortspiele. Ein wenig hat uns das an das Heidi-Motiv erinnert: ein kleines Mädchen und der „Großvater“ lernen sich in den Bergen besser kennen. Lustig war für uns, wie schlau das kleine Mädchen den alten Grantscherben immer um den Finger gewickelt hat (z.B. beim Einkaufen). Gespielt haben die beiden Hauptdarsteller übrigens ganz wunderbar!

Der Film hat wunderschöne Bilder: einerseits die tolle Berglandschaft und andererseits die vielen Großaufnahmen der Gesichter von Elsa und Julien, die viel von Gefühlen und Stimmungen verraten. Der ruhige Schnitt ist genau richtig für diesen Film. Auch die Musik und v. a. das Lied am Schluss mochten wir sehr.

Faszinierend war für uns, wie die Idee des Schmetterlings sich durch den gesamten Film zieht: etwa die hübschen Credits am Beginn und am Ende des Films, wo sich Schmetterlinge in Buchstaben verwandeln, oder auch die Namensgleichheit des gesuchten Schmetterlings und der Mutter von Elsa.

Ein wenig unrealistisch fanden wir Elsas Absturz in einen Felsspalt, weil sie kaum verletzt war. Andererseits war diese Szene besonders interessant geschnitten (Blick zu Elsa, Blick auf Monitor usw.). Nicht ganz nachvollziehbar war für uns, wie (rasch) die Fahndung funktioniert hat.

Unser Gesamteindruck von DER SCHMETTERLING ist sehr positiv!

 

Frankreich 2003
85 Minuten, Farbe

Regie: Philippe Muyl
mit: Michel Serrault, Claire Bouanich, u. a.

empfohlen ab 7 Jahren