Schwerer Abschied – Mein Vater

© Internationales Kinderfilmfestival

SCHWERER ABSCHIED – MEIN VATER
(DISKOLI APOCHERITISMI: O BABAS MOU)

Elias hat durch einen Autounfall seinen geliebten Vater verloren. Er will den Verlust nicht wahr haben und zieht sich mit den Arbeitsutensilien und einem Sakko seines Vaters auf den Dachboden des Hauses zurück. Dort richtet er sich so ein Vertretergeschäft ein, wie es sein Vater hatte. Der ahnungslosen Großmutter schreibt er anstelle seines Vaters innige Briefe von "seinen" Geschäftsreisen. Der Vater hat ihm bei seinem letzten Besuch zu Hause versprochen, wieder da zu sein, wenn die Amerikaner auf dem Mond landen. Und sein Vater hat noch nie etwas versprochen, was er nicht gehalten hat.

Ein feinfühliger Film über den Verlust eines geliebten Menschen und wie man damit fertig wird, eingebettet in das aufregende Erlebnis der ersten Mondlandung in den siebziger Jahren.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film war sehr ergreifend und berührend. Er hat ein sehr langsames Tempo und es ist notwendig, dass man ruhig wird und sich auf diesen Film einlässt. Man könnte ihn natürlich ebenso als traurig oder depressiv bezeichnen, und er ist bestimmt auch für Erwachsene ein schwieriger Film. Zwei besonders traurige Szenen für uns waren einerseits das Begräbnis, als Elias die Schokolade vom Vater so richtig in sich hinein stopft und die, in der das Schokoladenpapier auf den Tischen liegt (die Kinder haben zuvor die alte Schokolade von Elias gegessen). Traurig ist auch die Szene, in der die Mutter alles im „Büro“ von Elias kaputt macht.

Wir fanden es aber nur konsequent, dass Elias am Ende die Mondlandung dann gar nicht mehr sehen wollte, obwohl er den ganzen Film lang nur darauf gewartet hatte. Das Ende des Films bleibt sehr offen und es kann sehr unterschiedlich interpretiert werden (er könnte sterben, oder er verabschiedet sich vom Vater). Wie er hinaus segelt in die Sterne, das ist sehr schön gemacht. Insgesamt war der Film vielleicht ein wenig zu lange, obwohl er nicht langweilig ist.

Man hat gut etwas von Griechenland und der schönen griechischen Sprache mitbekommen. Auch die griechische Musik (Radio in der Küche) war wunderbar.

Die Figuren waren alle sehr gut ausgedacht. Der Onkel war z.B. eine tolle Figur und eine wichtige Bezugsperson für Elias. Gut gefallen hat uns auch der große Bruder.

Die SchauspielerInnen waren extrem gut. Sie haben sehr gut dargestellt, wie unterschiedlich sie den Tod des Vaters verarbeiten. Eine sehr ergreifende Szene ist die, als die Mutter auf den Kleidern ihres verstorbenen Mannes liegt und trauert. Als sie dann erbricht war das zwar einerseits ein wenig grauslich, andererseits aber auch besonders traurig. Die Mutter sieht auch immer sehr schlecht aus, sie dürfte sehr gut geschminkt worden sein.

Bei Elias fanden wir es gut, wie er sich immer die Ohren zu hält, zählt und Nasenbluten hat, wenn es Streit zwischen den Eltern gibt. Als er nach dem Tod des Vaters in der Küche alles hinunter wirft war das auch sehr gut gespielt.

Besonders schön war in diesem Film die Kamera, z. B. in einer Szene am Anfang des Films, als das Auto im Kreis fährt oder auch die Aufnahmen der Sterne immer wieder. Gut gefallen hat uns die öfter vorkommende Schärfe-Verlagerung von einem Sprechenden zum anderen. Es gibt sehr viele verschiedene interessante Kamera-Einstellungen (z. B. besonders schön einmal die Wendeltreppe von unten, oder der Blick vom Dach ganz nach unten). Das Licht war sehr schön gesetzt, z.B. als die Oma am Fenster sitzt und nur dieses eine Fenster Licht spendet. Vom Bild her besonders beeindruckend war auch die Zelt-Szene, in der die Mutter Elias zuerst vorliest und dann streichelt (obwohl sie vor und Elias im Zelt sitzt). Häufig ist es in diesem Film dunkel / düster, aber das hat gut zum Thema gepasst.

Obwohl wir uns teilweise mehr als Zuschauer gefühlt haben (mehr als „mitzuleben“) und der Film recht lange war, war es aber trotzdem sehr spannend und wir sind immer an der Geschichte dran geblieben.

 

Griechenland 2002
118 Minuten, Farbe

Regie: Penny Panayotopoulou
mit: Giorgos Karayannis, Stelios Mainas, Joanna Tsirigouli, Christos Stergioglou, u. a.

empfohlen ab 10 Jahren