Der Sommer '69

© Max Films International / Sébastien Raymond

DER SOMMER '69
(UN ÉTE SANS POINT NI COUP SÛR)

Sommer 1969 in Montreal. Zum ersten Mal spielt ein kanadisches Team in der amerikanischen Baseball-Liga, und Martin träumt davon, ein berühmter Baseball-Profi zu werden. Aber Martin wird nicht in die Schülermannschaft aufgenommen. Deshalb organisiert sein Vater ein Team, das ohne richtige Sportdressen auf einer abgelegenen Wiese trainiert. In diesem Sommer wird Geschichte geschrieben: Neil Armstrong landet auf dem Mond, die USA führen Krieg in Vietnam, in Woodstock feiern die Menschen ein Fest der Liebe und des Friedens, und Martins Mutter hört die Rolling Stones und möchte wieder zu arbeiten beginnen. Es ist der Sommer, in dem Martins Team am Regen scheitert und in dem sein Vater begreift, dass er einen Sohn hat.

DER SOMMER '69 vermittelt ein atmosphärisch dichtes Bild jener Zeit, gesehen durch die Augen eines Jugendlichen und seiner Eltern.

 

Kritik der Kinderjury

Der Originaltitel des Films, der aus dem Französischen übersetzt „Ein Sommer ohne Punkt und sicheren Schlag“ bedeutet, finden wir für diesen Film eigentlich passender. Er ist nämlich schon eine Anspielung darauf, dass der 12-jährige Martin und seine FreundInnen in diesem Sommer beim Baseball nicht allzu erfolgreich sein werden, und dass daher auch keine allzu großen Höhepunkte zu erwarten sind. Der Film ist eine Kindheitserinnerung und erzählt nach einem autobiografischen Roman davon, wie sich Martins Sicht auf seine Eltern, vor allem seinen Vater, während des Sommers von 1969 verändert. Wir hätten es schön gefunden, wenn es eine Rahmenhandlung gegeben hätte, in der beispielsweise der erwachsene Martin seinen Kindern von damals erzählt. Wir glauben, dass uns damit der Einstieg in eine für uns historische Zeit leichter gefallen wäre.

Uns hat das Jahr 1969 vor diesem Film nichts gesagt. Wir sind z.B. erst im Gespräch über den Film draufgekommen, was eine Super 8-Kamera ist und wie Aufnahmen aussehen, die man früher damit gemacht hat. Die Szenen, die in diesem - 1969 durchaus üblichen - Home-Video-Stil aufgenommen worden sind, haben uns nämlich sehr gut gefallen, weil sie so „echt“ wirken. Auch die Musik aus dieser Zeit, insbesondere Songs wie „California Dreaming“, mochten wir sehr. Bei der Bekanntgabe des Spiels zwischen seinem Team und jenem der Aristocrats hat Martin eine beeindruckend inszenierte Vision vom Vietnam-Krieg, da das Spiel für ihn ein Himmelfahrtskommando ist, das mit dem Vietnam-Krieg vergleichbar ist (der 1969 einen Höhepunkt erreicht hatte). Anhand der sehr braven Schulkinder, der Probleme von Martins Vater, seine Frau Mireille wieder arbeiten gehen zu lassen, sowie anderer Details wussten wir aber ganz genau, dass dieser Film nicht in der Gegenwart spielen kann.

Sehr gut gefallen hat uns, dass Martin in der Figur des damals sehr populären Baseballers Mack Jones einen imaginären Freund und Berater gefunden hat (wie übrigens auch sein Vater einen in Ernie Banks haben dürfte). Lustig war natürlich auch der „running gag“ mit dem Milchglas. Martin trinkt die Milch nämlich immer direkt aus dem Karton, was seine Eltern nicht so toll finden. Am Ende des Films hängt zu guter Letzt sogar ein Zettel am Kühlschrank: „Nimm ein Glas!“

Im Film gibt es einige sehr schöne Regen-Bilder inklusive Geräuschen bzw. auch einer sehr passenden Stille, als das entscheidende Spiel abgebrochen wird und man z.B. einen Baseball-Handschuh sieht, auf den es in Zeitlupe große Tropfen regnet.

Obwohl Martins Kommentare aus dem Off, wie z.B. die Gedanken über seine Eltern, uns als ZuschauerInnen die Identifikation mit ihm nahe legen, konnten wir uns nicht so recht in Martin hineinversetzen, was vielleicht auch an der insgesamt eher geringen Spannung im Film liegen dürfte. Obwohl der Film schön gemacht ist, ist uns die Geschichte doch einigermaßen fremd geblieben, obwohl wir die Schuld hier gar nicht auf den bei uns nicht so gebräuchlichen Sport Baseball schieben möchten. Fans von Sportfilmen bzw. Baseball-Fans sowie Leuten, die historisch angehauchte Filme mögen, wird der Film aber bestimmt gut gefallen!

 

Kanada 2008
104 Minuten, Farbe

Regie: Francis Leclerc
mit: Pierre-Luc Funk, Patrice Robitaille, Jacinthe Laguë, u. a.

empfohlen von
10 bis 14 Jahren