EINE SOMMERGESCHICHTE

© Internationales Kinderfilmfestival

EINE SOMMERGESCHICHTE
(SIPUR KAITS)

Sommer 1982 in Israel. Während des Libanonkrieges arbeitet der dreizehnjährige Gal als Briefträger in einer Moshav-Kooperative, deren männliche Bewohner sich fast alle im Kriegseinsatz befinden. Durch seine Arbeit lernt er Haya kennen, die mit Soldaten an der Front aufmunternden Briefkontakt hält. An der Grenze zwischen Kindheit und Erwachsenwerden verliebt sich Gal in das ältere Mädchen und besucht sie immer öfter. Eifersüchtig nimmt er an ihrem Briefwechsel teil und öffnet sogar heimlich ihre Post. Aber Haya ist schwer krank und wird diesen Sommer nicht überleben ...

Unaufdringlich und doch packend, die Kamera immer in Augenhöhe seiner Protagonisten, erzählt der wunderschöne Film eine Geschichte über erste Liebe und Eifersucht, über Abschiede und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film spielt in Israel im Sommer 1982. Für uns ein fremdes Land und eine fremde Zeit. Trotzdem haben wir schnell in diese ruhige und schöne Geschichte hineingefunden. Sie erzählt von einer berührenden Freundschaft zwischen dem 13-jährigen Gal und der schwer herzkranken Haya. Es herrscht Krieg im Land. Wie die Menschen davon betroffen sind, wird durch viele Ereignisse deutlich. Haya schreibt Briefe an ihr unbekannte Soldaten an der Front. Gal arbeitet während der Ferien als Postbote. Ohne es zu wollen, wird er zum Verräter, weil er der Militärpolizei sagt, wo der Gärtner Ovadia wohnt, der sich versteckt hält, um nicht in den Kriegsdienst zu müssen. Der Krieg ist zwar im Bild mit Kriegschauplätzen und Kampfhandlungen kaum sichtbar. Die sieht man bloß über ein paar Schwarz-Weiß-Fernsehbilder, aber seine Auswirkungen bestimmen das Leben der Menschen.

Besonders gut fanden wir, wie das Thema und die Handlung des Films gestaltet sind. Oft erwartet man bei so schwierigen Themen, dass der Film nur traurig ist, in EINE SOMMERGESCHICHTE gibt es aber auch viele hoffnungsvolle, fröhliche und auch lustige Momente. Beispiele dafür sind etwa Gals kleine Schwester, Gals Freund Boaz und die gleichaltrige Ronit, die Gal ständig mit ihren Annäherungsversuchen nervt.

Gal hat uns als Hauptfigur gut gefallen, weil seine Entwicklung sehr berührend dargestellt ist. Zuerst ist er eifersüchtig auf den Soldaten Mosche Mandelbaum, in den sich Haya über die Brieffreundschaft verliebt hat und zerreißt das Foto, das dieser ihr geschickt hat. Doch er bemerkt, wie wichtig es für die todkranke Haya ist, vor ihrer Herzoperation zumindest ein Bild von Mosche zu bekommen. Er setzt alles aufs Spiel, um ein Foto für Haya zu besorgen. Es war sehr aufregend, als er damit in die Klinik kommt und Haya schon am Operationstisch liegt.

Dass Haya stirbt, ist ein sehr ungewöhnliches Ende für einen Kinderfilm. Doch wir fanden, dass es zur Geschichte gut gepasst hat. Der Regisseur hat dazu auch eine sehr schöne Bildsprache gefunden: Hayas Gesicht "verblasst" in einer Weißblende. Dann setzt die Handlung des Films erst wieder ein, als schon einige Zeit vergangen ist. Mosche Mandelbaum kommt ins Dorf kommt, um sich nach seiner Brieffreundin Haya zu erkundigen. Gal führt ihn zu ihrem Grab. Gal freundet sich schließlich doch mit Ronit an, und das Leben geht weiter. So ist dem traurigen Ende doch eine Hoffnung entgegengesetzt.

Gelungen fanden wir auch die Kamera, und den Schnitt. Es gab viel Kamera-Bewegung (zum Beispiel als Gal mit dem Rad Haya umkreist und die Kamera diese Bewegung aufnimmt) und schöne und abwechslungsreiche Einstellungen. Die Musik war sehr sparsam eingesetzt, dadurch sind uns Stille oder Geräusche in diesem Film als Gestaltungsmittel besonders aufgefallen.

 

Israel 2004
74 Minuten, Farbe

Regie: Shmuel Peleg Haimovitch
mit: Kosta Kaplan, Aya Koren, Tik, Dayan, u. a.

empfohlen ab 12 Jahren