Filmbild

© China Childrens's Film Association

SOMMERTAGEBUCH

Xiaopang ist nicht nur der schlechteste Schüler seiner Klasse, er lässt auch keine Gelegenheit aus, die brave Xiaohu zu ärgern, die ihn ihrerseits anschwärzt, wo sie kann. Vom Lehrer bekommt Xiaopang den Auftrag, in den Sommerferien zehn gute Taten zu vollbringen und sie zu dokumentieren. Xiaohu wird ihm als Begleiterin zur Seite gestellt. Die beiden Kinder müssen notgedrungen miteinander auskommen und stellen bald fest, dass eine gute Tat sich oft auch in das Gegenteil verkehrt. Am Ende des Sommers hat Xiaopang jedoch begriffen, wie beglückend es sein kann, anderen Menschen zu helfen. Und eine neue Freundin hat er auch gewonnen.

Der Film erzählt eine einfache Geschichte auf tiefgründige Weise und bleibt dabei immer ganz nah bei seinen beiden kleinen ProtagonistInnen.

 

Kritik der Kinderjury

Der Film holt einen von Anfang an mit dem toll gezeichneten Vorspann, verstärkt durch die schöne Klavier-Musik, in die Geschichte herein. Xiaopa, der dicke Junge, der in der Schule immer Streiche ausheckt, ist eine gut ausgedachte Figur, genauso wie seine "Gegenspielerin" in der Klasse, die gescheite Streberin und Klassensprecherin Xiaohu. Dass die beiden in den Schulferien vom Lehrer dazu verdonnert werden, bei der "Hausaufgabe" – den 10 guten Taten – zusammenzuarbeiten, ist ein origineller Ausgangspunkt für die Geschichte. Diese entwickelt sich dann auch sehr spannend, und man möchte ständig wissen, ob die guten Taten gelingen oder schiefgehen. Denn Xiaopa muss erst lernen, was tatsächlich eine gute Tat ist. So wirft er zum Beispiel am Spielplatz absichtlich einen Kugelschreiber auf den Boden, damit er hinterher einen verunfallten Skateboarder verarzten kann. Im Bus bietet er einem Mann hartnäckig einen Platz an und zieht so lange an dessen Hose, dass diese bei einem Bremsmanöver zerreißt.

Xiaopas Fantasie- und Traumbilder sind deutlich von der Realität zu unterscheiden. Der Übergang zur Gedankenwelt wird immer durch eine Großaufnahme seines Gesichtes oder seiner Augen begonnen, dann folgt ein schneller Schwenk, bei dem sich alles verwischt. Überhaupt hat uns die Kamera bei diesem Film besonders gut gefallen. Es gibt viele Bilder aus der Sicht der Kinder. Die Naturaufnahmen, besonders die vom Meer, sind sehr beeindruckend. Auch der Schnitt war gut gemacht, zum Beispiel in der Szene, als Xiaopa und Xiaohu durch die geschlossene Tür miteinander reden. Oder die Bilder vom Kochen waren gut montiert. Außerdem fanden wir es interessant, Einblicke in das Alltagsleben zu bekommen: die Küche, das Essen, die Kinderzimmer von Xiaopa und Xiaohu. Hervorheben wollen wir auch den sorgfältigen Einsatz von Ton und Musik. Die Geräusche und musikalischen Motive passen genau zu den Bildern (Geisterhaus, gute Taten).

In diesem Film werden sehr ernste Themen angesprochen. Xiaopas Mutter ist bei seiner Geburt gestorben (deshalb möchte Xiaopa auch seinen Geburtstag nicht feiern), sein Vater hat Sorge, den Job zu verlieren und auch Xiaohus Mutter muss sehr sparsam sein, um ihrem Kind eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Es ist traurig, dass Großmutter Quin die 10. gute Tat von Xiaopa und Xiaohu nicht mehr erlebt, aber man findet Trost in der poetischen Szene mit dem Meteoritenschauer. Auch wenn einem diese Ereignisse sehr zu Herzen gehen, kommen Humor und Spannung nie zu kurz. Die schlimmen Zwillingsbuben sind zwei lustige Nebenfiguren, die Xiaopa immer vom rechten Weg abbringen. Und die Szenen mit den Mutproben im Geisterhaus verbreiten tolle Grusel-Stimmung. vor allem als der Mann eine zerstückelte Kleiderpuppe vorbei trägt und man nicht weiß, ob da ein Zombie sein Unwesen treibt.

SOMMERTAGEBUCH ist ein wirklich schöner Kinderfilm, verständlich, traurig, spannend und lustig zugleich, in dem man einiges über das Leben in China erfahren kann.

 

Volksrepublik
China 2011
96 Minuten, Farbe

Regie: Chen Jing,
Chen Zhenhuan
mit: Xu Ke, Zhang Chuqian, Huang Suying, Shen Yutong, u. a.

empfohlen von 7 bis 12 Jahren