DER STÄRKSTE MANN VON HOLLAND

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DER STÄRKSTE MANN VON HOLLAND
(DE STERKSTE MAN VAN NEDERLAND)

UNICEF-Preis (Lobende Erwähnung) Internationales Kinderfilmfestival 2011

Luuk leidet darunter, dass er immer der Kleinste der Klasse ist und wegen seiner roten Haare oft gehänselt wird. Dabei erzählt ihm seine Mutter immer wieder, sein Vater sei der stärkste Mann von Holland gewesen und habe einen Lastwagen alleine ziehen können. In der Schule beschützt die selbstbewusste Minke Luuk vor lästigen Jungs – aber wie soll er sie auf diese Weise beeindrucken können? Eines Tages lernt Luuk René kennen, den er wegen seiner Stärke bewundert. René ist freundlich zu dem Jungen, hilft ihm, seine Muskeln zu trainieren und gibt ihm Tipps, wie man ein Mädchen wie Minke für sich gewinnen kann. Langsam wächst in Luuk die Hoffnung, dass René sein Vater sein könnte.

Ein warmherziger Film über Schwächen und Stärken und die Sehnsucht danach, die eigenen Wurzeln zu kennen.

 

Kritik der Kinderjury

Schon der Vorspann dieses Films ist lustig, denn hier wird einmal nicht die Körpergröße sondern die (Muskel-)Breite gemessen. Und damit ist der Film auch gleich bei seinem Thema. Luuk erzählt uns, wie sehr er seit seiner Kindheit unter seiner geringen Körpergröße und unter den Hänseleien wegen seiner roten Haare leidet. Gestaltet ist dieser Rückblick im Stil alter Video-Aufnahmen. An seiner Erzählung aus dem Off kann man aber erkennen, dass Luuk das alles mit Humor nimmt, zum Wäsche aufhängen einfach eine Leiter verwendet und Kraft zu trainieren beginnt, als er den sympathischen Mechaniker René kennen lernt. Die Trainingsgeräte, die die beiden benutzen, sind sehr amüsant, denn sie sind aus Autoteilen (Rückspiegel, Reifen, Motor, Batterie, Autositz…) zusammengestoppelt. Es ist sehr gut durchdacht, dass die Szenen auf dem Kletterseil mehrmals im Film eingebaut worden sind, da sie zeigen, dass Luuk sich wirklich verändert hat und kräftiger geworden ist. Die witzigste Sport-Szene mit Luuk ist die Rugby-Szene, in der sich alle Mädchen auf ihn drauf werfen – und er das eigentlich ganz gut findet.

Die Kinder-DarstellerInnen machen ihre Sache sehr gut. Man kann sich gut in sie hineinversetzen und versteht auch, warum sich Minke überhaupt für Luuk interessiert (beide haben ja ein Problem mit ihrer Körpergröße). Auch die umgekehrten Rollenbilder – Luuk kocht, Minke beschützt Luuk – waren lustig. Weniger gut besetzt fanden wir die Mutter, die für uns ungefähr 10 Jahre zu alt ausgesehen hat. Der Darsteller des René hingegen hat wunderbar für seine Rolle gepasst, und wir konnten ihn uns auch gut als (Ersatz-)Vater vorstellen. Die Nebenfiguren, wie etwa die Kollegin von Dorien, die man einmal durch das Türfenster mit einer Weinflasche winken sieht (man weiß, was kommt!), waren ebenfalls toll besetzt.

Die Vatersuche hätten wir uns ein wenig spannender gewünscht, da hätte es viele lustige Möglichkeiten gegeben, verschiedene Typen rothaariger Männer als potentielle Väter vorzustellen. Als nach dem ersten Kandidaten, dem Fußball-Trainer, nichts aufregendes mehr kommt, nimmt die Spannung ein wenig ab und man ist natürlich auch noch enttäuschter über den tatsächlichen Samenspender (aber das wird ja ev. auch bezweckt).

Bei der Bildgestaltung sind uns einige bisher weniger verwendete Elemente aufgefallen. Es gibt einige sehr schöne Schärfe-Verlagerungen, z.B. als Luuk sämtliche starke Männer mit deren Namen auf dem Flyer in Beziehung setzt. Als Luuk und Minke telefonieren, wird ein Splitscreen verwendet, der die Gefühle der beiden gut zeigt. Einige der Wettkampf-Szenen wurden in Zeitlupe gedreht, für Sport ganz klassisch und passend sozusagen.

Bezüglich Musik und Geräuschen kann der Film nicht ganz mit den Filmen mithalten, die wir bisher gesehenen, das kann aber daran liegen, dass dieser Film eine kleinere Produktion mit weniger Budget ist. Eine Ausnahme gibt es aber auch hier: In den Szenen, in denen Luuk seiner Mutter vorgaukelt, dass er gerade unterwegs ist, erzeugen die Kinder die Geräusche selbst direkt vor der Kamera, quasi wie die GeräuschemacherInnen beim Film. Luuk und Minke täuschen z.B. einen fahrenden Zug vor, indem sie eine Fahrradpumpe betätigen. Für Filmfans wie uns eine besonders gelungene Sequenz und ein Highlight des Films, den wir übrigens allen empfehlen können, die es lustig mögen!

 

Niederlande 2010
80 Minuten, Farbe

Regie: Mark de Cloe
mit: Bas van Prooijen, Suzan Boogaerdt, Loek Peters, u. a.

empfohlen ab 6 Jahren

Mark de Cloe
Mark de Cloe