TAG DER KRÄHEN © Le Pacte

© Le Pacte

TAG DER KRÄHEN
(LE JOUR DES CORNEILLES)

Gemeinsam mit seinem Vater lebt ein Junge in einer Höhle im Wald in vollkommener Abgeschiedenheit von den Menschen. Die Geister des Waldes sind seine einzigen Freunde, die Welt außerhalb ist ihm verboten. Eines Tages jedoch wird der Vater verletzt, und sein Sohn muss sich mit ihm in das nächste Dorf aufmachen. Während der Vater vom Dorfarzt gepflegt wird, freundet sich der Junge mit dessen Tochter Manon an. Aber den Vater verbindet ein dunkles Geheimnis mit dem Dorf, und die Freundschaft der beiden Kinder ist bald bedroht.

Nach dem Bestseller des Kanadiers Jean-François Beauchemin erzählt dieser wunderbar poetische Film eine archaische Geschichte über Liebe und Schuld, Freundschaft und Vergebung.

Filmheft

 

Kritik der Kinderjury

Dieser ungewöhnliche, fantasievolle und wunderschön gezeichnete Animationsfilm hat uns mit seinem ganz besonderen Stil sehr beeindruckt! Der Schauplatz Wald und die Darstellung einiger Verstorbener als tierische Geisterwesen (Reh, Pferd, Katze, Frosch), die nicht von jedem Menschen gesehen werden können, haben uns wirklich fasziniert. Die Hintergründe und die Landschaften sind ebenso wie die Lichtstimmungen sehr sorgfältig gezeichnet. Es gibt auch sehr viele schöne Einzelbilder, etwa die Wurzelhöhle mit dem Grab der Mutter, das Winter-Zelt mit Vater und Sohn oder der Krähenschwarm am Himmel und in der Stadt.

Die Perspektiven sind eigentlich wie in einem Realfilm gemacht: Man sieht z. B. auf der Blickhöhe des Sohnes durch die Beine der Menschenmenge im Dorf hindurch. Es gibt auch Vogel- bzw. Froschperspektiven und Kamera-Schwenks bzw. Kamera-Fahrten wie sie ganz genauso in Spielfilmen verwendet werden. Ganz besonders gut gelungen sind unserer Meinung nach die Bildübergänge zwischen Tag und Nacht, Wirklichkeit und Traum, Gegenwart und Erinnerung.

Auffällig ist auch, dass es am Anfang kaum Dialoge oder Musik gibt, dafür aber viele Geräusche. So hört man das Knacken der Äste im Wald oder das Rauschen des Wassers. Man hört auch das Schnaufen von Vater und Sohn bei der Jagd.

Schade fanden wir nur, dass der Bub einfach "Sohn" genannt wird und keinen richtigen Namen hat. Die Geschichte von einem "Waldkind", das erst durch den Beinbruch des Vaters die Welt außerhalb kennenlernt, hat uns aber gut gefallen. Als er das erste Mal ins Dorf kommt, stellt sich der Sohn sehr lustig an und benimmt sich eigentlich eher wie ein Waldtier. Manon, die Tochter des Arztes, kann ihm schließlich einiges über die Welt des Dorfes und die Menschen dort beibringen. Die Freundschaft, die zwischen dem Sohn und Manon entsteht, wird sehr schön gezeigt, was z. B. in der Mimik ihrer Gesichter und im Erröten des Sohnes sehr gut zum Ausdruck kommt.

Gegen Ende des Films erfährt man, wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass Vater und Sohn im Wald leben. Wir fanden es richtig, dass das erst so spät im Film gezeigt wird, denn sonst wäre es vielleicht nicht spannend genug geblieben. Auch dass es zweimal einen Brand gibt, ist stimmig und bildet eine Art Klammer von Anfang und Ende der Geschichte des Vaters.

Obwohl es einige heftige Themen gibt (Vater-Sohn-Beziehung, Suche nach Liebe und Nähe, Gefühle . . .), wird der Film eher ruhig erzählt. Man muss sich also auf dieses langsamere Tempo einlassen können, wenn man den Film so richtig genießen will. Es gibt zwischendurch aber auch einige lustige Szenen, dazu zählen z. B. das Kakao schlecken, das Manon dem Sohn gleich nachmacht, oder die gemeinsame Schneeballschlacht der Krähen und der Dorfkinder, um die böse alte Madame zu vertreiben.

Insgesamt können wir sagen, dass das einmal ein ganz anderer Animationsfilm war, den wir euch nur empfehlen können!

 

Frankreich/Belgien 2012
95 Minuten, Farbe

Regie: Jean-Christophe Dessaint
Animationsfilm

empfohlen von 8 bis 12 Jahren

Jean-Christophe Dessaint
Jean-Christophe Dessaint