TAGE OHNE MUSIK

© Primer Plano Filmgroup

TAGE OHNE MUSIK
(ALGUNOS DÍAS SIN MÚSICA)

Während in der neuen Schule zum Auftakt gesungen wird, lernt Sebastián Guzmán und Email kennen. Aus einem Witz heraus wünschen sich die drei, dass die Musiklehrerin tot umfallen möge – und genau das passiert! Was dramatisch klingt, ist nur der Anlass für den Beginn einer Freundschaft. Guzmán lebt bei seiner schlecht gelaunten Großmutter und sucht nach seinem verschollenen Vater. Email trägt zu allen Gelegenheiten seinen Karateanzug und überdeckt damit seine Unsportlichkeit. Sebastián leidet ein wenig unter der Enge seines Familienlebens. Aber wenn die drei zusammen abhängen, ist die Welt in Ordnung.

Unaufgeregt erzählt der Film von seinen drei Protagonisten und lässt uns dabei tief in einen argentinischen Alltag blicken.

 

Kritik der Kinderjury

Bei diesem Film ist es einigen Jurymitgliedern etwas schwer gefallen, in die Geschichte rein zu kommen. Was anfangs mit einem außergewöhnlichen Ereignis beginnt, entwickelt sich nach und nach zu einer Erzählung über den Alltag von drei Kindern aus sehr unterschiedlichen Familien. Oft hat man dabei den Eindruck, in dem Film passiert nichts. Andererseits ist uns aber aufgefallen, wie viel man eigentlich über die drei Hauptfiguren und ihre wachsende Freundschaft erfährt.

Guzmán lebt bei seiner hartherzigen Großmutter, er weiß nicht, wer seine Eltern sind und hofft seinen Vater unter den Arbeitern in einem Weingarten zu finden. Email ist Halbwaise, seine Mutter ist gestorben. Als wenig erfolgreicher Karate-Schüler hat er schon einen klaren Berufswunsch, er möchte einmal Frisör werden. Wir fanden die Szene, in der er seinem Vater die Haare schneidet, besonders schön. Die Beziehung zwischen Email und seinem Vater ist sehr berührend. Email bringt seinem Vater das Lesen bei und kümmert sich um ihn, als dieser bei einem Einbruch niedergeschlagen wird. Diese Szene war von Kamera und Schnitt her sehr gut gemacht. Email beobachtet den Überfall auf seinen Vater auf den unscharfen Schwarz-Weiß-Bildern der Überwachungskameras.

Nur Sebastián wächst mit Vater und Mutter in einem recht angenehmen Zuhause auf. Aber auch er hat es nicht immer leicht. Er muss seiner Mutter bei der Betreuung einer unfreundlichen dicken Nachbarin helfen, die ihm Angst einjagt. Mit Hilfe von Kamera und Schnitt werden die Frau und ihre Wohnung aus der Sicht von Sebastián ziemlich gruselig dargestellt. Sie hält ihren Kühlschrank mit einer mächtigen Eisenkette versperrt und schnarcht ganz furchterregend. Sebastiáns Vater verschweigt, dass er seinen Job als Versicherungsvertreter verloren hat. Er arbeitet als Werbe-Maskottchen in einem lächerlichen Hühnerkostüm vor einem Fastfood-Restaurant. Nur durch Zufall entdeckt Sebastián, wer in der Verkleidung steckt. Sebastián besitzt ein Fahrrad. Die Fahrten mit dem Fahrrad werden filmisch mit der Kamera stimmungsvoll begleitet. Zuerst sieht man Sebastian alleine durch die Gegend radeln, später kurven die drei Buben zu dritt auf dem kleinen Klapprad durch die Straßen – ein schönes Bild für ihre Freundschaft. Einmal holt sich Sebastián beim gemeinsamen Spielen auf einem verlassenen Bahnhofsgelände eine Schramme auf der Stirn. Seine Freunde sind gleich zur Stelle und lecken als "Desinfektion" die Wunde mit der Zunge ab. Wir fanden es ziemlich lustig, als Email zu Guzmán sagt, "Mach du weiter, ich habe keine Spucke mehr!"

Auch wenn es in diesem Film keine große Action und Spannung gibt, erzählt der Film eine schöne Freundschafts-Geschichte und lässt uns den Alltag von Kindern in einem anderen Land kennenlernen.

 

Argentinien/Brasilien 2013
78 Minuten, Farbe

Regie: Matías Rojo
mit: Jenónimo M. Escoriazza, Tomás Exequiel Araya, Emilio Lacerna u. a.

8 +

Matías Rojo
Matías Rojo