Teos Reise

© Astillero Producciones S. A.

TEOS REISE
(EL VIAJE DE TEO)

UNICEF-Preis (Lobende Erwähnung) Internationales Kinderfilmfestival 2008

Teo sollte eigentlich schon mit seinem Vater in einem neuen Leben in den USA sein, aber der illegale Grenzübertritt ging schief, und Teo wurde von seinem Vater getrennt. Jetzt sitzt er in dem gottverlassen mexikanischen Grenzort fest und hofft, dass sein Vater zurückkommt. Er freundet sich mit dem etwas älteren Chuy an, einem Mitglied der Schlepperbande. Chuy und dessen Mutter kümmern sich um Teo, aber wie soll es weitergehen? Die beiden Kinder warten, und während sie warten, machen sie all das, was Kinder gerne tun.

Walter Doehner hat das Thema der illegalen Einwanderung bewusst durch die Augen seiner kleinen Protagonisten gestaltet, "damit klar ist, dass es hier um ein Kind geht, das nichts anderes möchte, als seinen Vater, der auf der Suche nach dem amerikanischen Traum verloren ging, wieder zu finden."

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film erzählt am Beispiel und aus der Sicht des 9-jährigen Teo über das Schicksal von MigrantInnen, die versuchen, auf illegalem Weg von Mexiko in die USA einzuwandern. Was streckenweise für einige von uns ein wenig langatmig gewirkt hat, lässt andererseits beim Betrachten des Films ein „Echtzeit“-Gefühl entstehen, das deutlich macht, wie mühsam und beschwerlich das Leben dieser Leute ist. Welchen Gefahren sie sich aussetzen, zeigt der dramatische Überfall, dem Teo und sein Vater zum Opfer fallen. Hier wird es im Gegensatz zu dem sonst ruhigen Erzähltempo des Films sehr actionreich und spannend.

Begeistert hat uns an diesem Film vor allem die Kamera, die mit dem Licht und den Farben der großartigen mexikanischen Landschaft arbeitet - z.B. sind Teo und Oaxacas vor dem Hintergrund der Morgendämmerung nur als Schatten zu sehen. Überhaupt werden Licht und Dunkelheit sehr gut für die Filmerzählung eingesetzt, z.B. in der Szene mit dem nächtlichen Überfall, bei dem Teo von seinem Vater getrennt wird, flackern aus der Dunkelheit plötzlich grelle Lichter auf und wir erleben in schnell geschnittenen Bildern die Panik, in die Teo dabei gerät. Auch Teos Alptraum ist in Farbe und Bildgestaltung (Weichzeichner) filmisch sehr schön gemacht. Hervorheben wollen wir auch die tollen schauspielerischen Leistungen der Darsteller von Teo und seinem Freund Chuy und die wunderschöne Filmmusik.

Tragisch an der Geschichte ist die Tatsache, dass Teo seinen Vater verliert, bevor er ihn noch richtig kennen gelernt hat. Erst nach und nach baut sich wie bei einem Mosaik mit kleinen Hinweisen Teos Familiengeschichte zusammen. Dabei spielt eine Trompete eine ganz wichtige Rolle: Sie zieht sich als Motiv wie ein roter Faden durch den Film. Die Trompete ist das einzige, was Teo von seinem Vater geblieben ist und ihn mit seiner Familie verbindet. Sie bildet in der Filmerzählung eine „Klammer“, ähnlich wie die Person des Onkels, der Teo am Anfang mit seinem Vater ziehen lässt und ihn am Ende wieder väterlich aufnimmt.

Trotz vieler belastender Momente gibt es auch immer wieder Hoffnung und Freude in dieser Geschichte. So hilft Alejandro von der MigrantInnenbehörde weiter und in Oaxacas gibt es einen erwachsene Vertrauensperson und Freund. Er kauft Teo seine Trompete zurück, nachdem sie Chuys Stiefvater zu Geld machen wollte. Und die Freundschaft zwischen Teo und Chuy ist in diesem Zusammenhang ein ganz wichtiger und schöner Teil des Films. Die beiden Jungen sind rein optisch ein wunderbares Paar voller Kontraste (Teo klein und schmächtig, Chuy breit und groß). Die Kinder leben in einer Welt zwischen Verspieltheit in manchen unbeschwerten Augenblicken (z.B. als sie heimlich im Krankenhaus mit dem Rollstuhl durch die Gänge toben) und schwierigen Erwachsenen-Anforderungen (Chuy verdient bei den Schleppern sein Geld). Hier findet der Film wieder ein schönes Symbol für die Beziehung von Teo und Chuy: Chuys Freundschaftsbänder werden für Teo zu Wegweisern, als er sich mit Oaxacas im Grenzgebiet verirrt hat.

Insgesamt ein berührender und schöner Film zu einem wichtigen Thema!

 

Preisbegründung (Lobende Erwähnung, UNICEF-Preis)

Dieser Film erzählt am Beispiel und aus der Sicht des 9-jährigen Teo über das Schicksal von MigrantInnen, die versuchen, auf illegalem Weg von Mexiko in die USA einzuwandern. Es wird deutlich, wie mühsam und beschwerlich das Leben dieser Menschen ist, und welchen Gefahren sie sich aussetzen. Trotz vieler belastender Momente gibt es in diesem Film aber immer wieder auch Hoffnung und Freude, wie die tolle Freundschaft zwischen Teo und Chuy. Ein berührender und schöner Film zu einem wichtigen Thema!

 

Mexiko 2008
90 Minuten, Farbe

Regie: Walter Doehner
mit: Erick Cañete, Joaquín Cosio, Damián Alcázar, u. a.

empfohlen ab 10 Jahren