Tinke – Kleines starkes Mädchen

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TINKE – KLEINES STARKES MÄDCHEN
(ULVEPIGEN TINKE)

Dänemark vor etwa 150 Jahren: Tinke ist ein Findelkind. Der Hirtenjunge Laurus hat sie verwahrlost im Wald gefunden und zu der Bauernfamilie mitgenommen, für die er arbeitet. Erst ist Tinke scheu, doch dann freunden sich die beiden an. Laurus findet heraus, dass Tinke beide Eltern verloren und seither ganz allein im Wald gelebt hat. Während die Bäuerin Tinke gerne als Tochter im Haus behalten möchte, kann sich der mürrische Bauer nicht mit ihr anfreunden. Er ist froh, als sich herausstellt, dass Tinke von einer wohlhabenden Familie abstammt. Nun wird Tinke zu ihren Großeltern gebracht, aber in deren Haus fühlt sie sich überhaupt nicht wohl. Sie möchte viel lieber bei Laurus bleiben.

Der spannende Film über Freundschaft, Verlust und Toleranz besticht durch eine wunderschöne Bildsprache und einer hervorragenden Jungschauspielerin.

 

Kritik der Kinderjury

Das war ein sehr schöner Film! Endlich gibt es eine Konkurrenz für ELINA! Es ist ein Film von dem man sich wünscht, dass er noch länger weiter geht. Eigentlich ist TINKE ja ein Film über sehr ernste und traurige Themen. Es geht um ein Waisenkind und außerdem sieht man gut, wie Kinder damals behandelt wurden (sie werden z.B. immer wieder geschlagen, sie müssen schon arbeiten u. ä.). Dass zu der Zeit, in der der Film spielt, der Mann der Herr im Haus war, das hat man auch gut mitbekommen.

Tinke hat erleben müssen, dass ihre beiden Eltern gestorben sind. Sie lebt schon eine Zeitlang alleine in der Wildnis, als sie den etwas älteren Larus kennen lernt, der die Kühe hütet und mit dem sie sich bald anfreundet. Durch die schrecklichen Erlebnisse ist es auch zu erklären, dass Tinke sich zunächst gar nicht mehr daran erinnern kann, wie ihre Eltern geheißen haben - was wichtig wäre, denn sie will ihre nächsten Verwandten finden. Die Szenen, die Tinkes glückliche Erinnerungen an ihre Eltern zeigen, fanden wir besonders gut gemacht (sie waren auch eindeutig als Erinnerungen zu erkennen). Durch konkrete Gegenstände wie z. B. den Schürhaken beginnt sie sich dann allmählich wieder an die Namen der Eltern zu erinnern.

In ihrer Art hat uns Tinke ein wenig an Pippi Langstrumpf erinnert: sie ist ein sehr starkes Mädchen und macht was sie will. Sie schert sich wenig darum, was andere von ihr halten. Sie ist z.B. auch die erste, die dem etwas zurück gebliebenen Sohn der Bauern ohne Vorurteile begegnet und sich sogar mit ihm anfreundet. Man hat übrigens nie Angst um Tinke, wenn sie bei ihm ist. Durch ihr Verhalten ändert sich auch das seiner Eltern zum Positiven: gegen Ende des Films wird er gewaschen und bekommt saubere Kleidung. Es wird unserer Meinung nach sehr realistisch gezeigt, wie man früher mit geistig behinderten Menschen umgegangen ist, dass man sie wie Tiere gehalten und ganz einfach weg gesperrt hat.

Der zurück gebliebene Sohn war eine besonders tolle Figur. Wir fanden auch gut, dass es einige Figuren gab, die gegen Tinke waren (Bauer, Großvater, eine der Schwestern der Mutter). Interessanterweise hat es nicht gestört, dass viele wichtige Personen erst relativ spät im Verlauf des Films auftauchen (z.B. der Großvater). In der Familie von Tinkes Mutter wird sehr gut gezeigt, wie unterschiedlich die beiden Schwestern sind - nur die eine der beiden hat Verständnis für Tinke. Als der Großvater sagt, dass er noch nicht sterben will, finden wir das richtig, sonst wäre der Film nämlich zu dramatisch geworden. Am Ende waren wir auch sehr froh, dass Larus wieder zurückkommt. Alle haben sehr gut gespielt, besonders die Emotionen von Tinke sind gut herüber gekommen.

Es hat sehr schöne Aufnahmen gegeben (v. a. Nahaufnahmen: Käfer, Wasserrad). Die vielen verschiedenen Perspektiven waren sehr interessant (Blick durch die Hütte, Sicht aus der Kutsche, subjektive Kamera im Wald usw.). Auch die vielen Außenaufnahmen und Landschaften waren wunderschön. Das Ende mit der Nahaufnahme von Tinkes Gesicht war toll, weil sie ganz normal drein geschaut hat. Die Musik hat sehr gut zum Bild gepasst, der nachsynchronisierte Ton (z.B. das Werfen der Steine) war ein bisschen überzeichnet, aber es ist eben ein Film … Wir können euch diesen positiven und wunderbaren Film sehr weiterempfehlen!

 

Dänemark 2002
92 Minuten, Farbe

Regie: Morten Køhlert
mit: Sarah Juel Werner, Peter Jeppe Hansen, Bent Mejding, u. a.

empfohlen ab 8 Jahren