TONY 10 Bild: Victor Arnolds

© Victor Arnolds

TONY 10

Preis der Kinderjury (Lobende Erwähnung) und Publikumspreis Internationales Kinderfilmfestival 2012

"Jedes Jahr an meinem Geburtstag bäckt meine Mutter einen Kuchen, und mein Vater bringt mir die Bedienung eines neuen Kranes bei. Mein Vater ist der beste Kranfahrer der Welt." Mit neun kann Tony fast jeden Kran auf dem Firmengelände fahren, doch sein Vater hat inzwischen politische Karriere gemacht. Tony sieht ihn immer seltener, und die Ehe der Eltern leidet darunter. Als Tony entdeckt, dass sein Vater bereits eine neue Freundin hat, schmiedet er einen Plan, wie er seine Eltern wieder zusammenbringen kann. Dabei kommt ihm sogar die Königin zu Hilfe.

TONY 10 entfaltet sich als fantasievolles Märchen, das mit seinen kräftigen Farben, schrägen Witzen und überraschenden Wendungen zu einem erstaunlich realistischen Ende findet.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film hat uns super gefallen, da waren wir uns ganz einig! Er ist sehr bunt (Kostüme, Teetassen, Torten . . .) und lustig, obwohl es um das ernste Thema "Trennung der Eltern" geht – und es daher natürlich auch einige traurigere Szenen gibt. Tony hört z. B. einmal am Dach sitzend zu, wie seine Eltern im Haus gegenüber streiten. Oder er sieht und hört ihnen durch den Türspalt beim Streiten zu, bis sie ihn bemerken. Meistens wird sonst in Filmen, wenn es ums Thema Scheidung geht, eher darum herum geredet. Für uns war es wichtig, dass das in einem Film endlich einmal richtig angesprochen wird und man praktisch die gesamte schwierige Trennungsphase mitbekommt. Auch das Ende ist für uns stimmig, denn es gibt kein glattes Happy End. Wir halten es für realistischer, wie die Sache in diesem Film gezeigt wird, als wenn alles nur gut ausgehen würde.

Besonders gelungen ist übrigens gleich der Einstieg in den Film: In wenigen Minuten erfahren wir, wie sich Tonys Eltern kennengelernt haben, wie er geboren wurde, wie seine Geburtstage bisher abgelaufen sind – und wie der Vater Karriere macht und immer weniger Zeit für die Familie hat. In diesem Beginn steckt unglaublich viel drin, und er ist wirklich perfekt geschnitten!

In der Geschichte gibt es neben dem Hauptthema viele nette Details und Seitenstränge. Tony und sein Vater haben z. B. "Kran-Blut" (und Wanda nicht), eine sehr originelle Idee! Die Bagger, die Tony lenken darf, werden auch von Geburtstag zu Geburtstag größer. Höhenangst hat man als Kind eines Kranfahrers allerdings nicht, wie wir von Tony erfahren haben! Die Beziehung zwischen Tony und der Königin fanden wir auch sehr nett. Tony schleicht sich in ihren Palast ein und wirft ihr vor, ihm den Vater wegzunehmen. Die Königin ist ihm aber nicht böse, sondern hilft ihm sogar beim Referat in der Schule und beim Königinnen-Ball, als sie gemeinsam versuchen, Tonys Eltern wieder zusammenzubringen. Und mit seiner Klassenkollegin Luce findet Tony jemanden, dessen Eltern bereits geschieden sind, und die ihm erklärt, dass das auch Vorteile haben kann. Lustig war, dass Tony Luce am Ende "Turteltäubchen" nennt, einen Kosenamen, den der Vater zuvor für die unsympathische Wanda verwendet hat.

Die Kamera ist sehr gut! Es gibt viele schöne Bilder, aber am besten waren die, als Tony in der Baggerschaufel liegt. Wir sehen aus seiner Perspektive in den Himmel und – von den Schaufelrändern begrenzt – auf seine Eltern, die den Bagger hinaufgekraxelt sind, um mit ihm zu reden. Aber auch die Blicke auf das Goldfischglas am Anfang und am Ende des Films waren sehr gelungen. Am Ende, als Tony das "Biest" (= den großen Bagger) "bezwingt" und selbst die Goldfisch-Übung vorführt, ist in einer tollen Vogelperspektive seine gesamte Geburtstagsgesellschaft von oben zu sehen.

Die Lichtgestaltung ist uns auch aufgefallen. Wenn es z. B. um Tonys Fantasien geht, dann verändert sich das Licht. Die Musik und die Geräusche passen ebenfalls perfekt zum Film, z. B. sind das Zerquetschen der Orange und die Vibrationen bei Tonys Baggerfahrt gut zu hören. Und das Trompeten-Motiv, das mit der Band von Tonys Vaters zu tun hat und das mehrmals zu hören ist, mochten wir auch.

Durch die tollen SchauspielerInnen, die ihre Rollen alle sehr überzeugend spielen, konnten wir uns sehr gut in diese realitätsnahe, witzig gemachte Geschichte hineinversetzen. Diesen Film solltet ihr unbedingt gesehen haben!

 

Niederlande/
Deutschland/
Belgien 2012
86 Minuten, Farbe

Regie: Mischa Kamp
mit: Faas Wijn, Jerben Spizenberga, Rifka Lodeizen, Annet Malherbe, u. a.

empfohlen von 8 bis 12 Jahren

Mischa Kamp
Mischa Kamp