Der Traum

© Internationales Kinderfilmfestival

DER TRAUM
(DRØMMEN)

UNICEF-Preis, Internationales Kinderfilmfestival 2006

Dänemark 1969, irgendwo auf dem Land. Frits ist dreizehn und wie die meisten Jugendlichen in diesem Alter wissensdurstig, neugierig und von einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn geprägt. Im Fernsehen verfolgt er die Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg und Berichte über die Ermordung Martin Luther Kings. In der Schule hat er Probleme mit dem Direktor, der öfter handgreiflich wird und Frits wegen seiner langen Haare im Visier hat. Daran ändert auch die Ankunft eines neuen, fortschrittlichen Lehrers nicht viel. Als der Direktor Frits fast ein Ohr abreißt, eskaliert die Situation, aber Frits kämpft unerschrocken gegen die Ungerechtigkeit und Feigheit der Erwachsenen.

Regisseur Niels Arden Oplev schafft es meisterhaft, den Geist und die Atmosphäre der Zeit von 1968 und danach herauf zu beschwören, wozu unter anderem auch die Musik aus jener Zeit

 

Kritik der Kinderjury

Der Film hat den fast allen von uns besonders gefallen und uns vor allem emotional sehr berührt. Die Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht, wirkt sehr realistisch und die tollen schauspielerischen Leistungen tragen einiges dazu bei. Manche von uns kennen ähnliche Situationen - allerdings ohne derart brutales Schlagen - aus der Schule. Im Film gibt es relativ viel Gewalt (v. a. die Prügelszenen mit dem Direktor). Diese Szenen sind für jüngere Kinder sicher nicht gar so gut geeignet. Wir brauchten außerdem überhaupt den ganzen Film über unsere volle Konzentration, da er auch inhaltlich nicht immer leicht zu verstehen und die ganze Zeit über sehr spannend ist.

Wir fanden die Mischung aus Traurigem, Nachdenklichem und dazwischen auch Lustigem sehr gelungen. Das Haupt-Anliegen ist ein sehr ernstes, aber es gibt auch einige witzige Szenen (das Singen in der Kirche u. ä.), die das rein Ernste durchbrechen. Interessant waren auch einige Szenen, in denen Frits seinen Kopf ins Wasser taucht. Wir haben das so interpretiert, dass er von seinen Problemen abschalten und „abtauchen“ will, um einen „kühlen Kopf zu bewahren“ - ein sehr schönes Bild. Auch die Traum-Szene mit dem von Pferden gezogenen Leichenwagen ist besonders hervorzuheben. Wir dachten zuerst, dass der Vater oder der Großvater von Frits sterben würde und waren dann ein wenig überrascht, als es den Direktor traf (der „Unrecht sammelt“, weil er schlägt, falsch beschuldigt, lügt usw.). Wir haben ausgiebig darüber diskutiert, ob man sich - wie die Kinder das in dem Film tun - über diesen Tod freuen darf oder nicht, und die Mehrheit meinte, ja, in diesem besonderen Fall eher schon. Frits selbst sich ja nie wirklich darüber gefreut hat, sondern sich sogar eine Mitschuld daran gegeben hat.

Die Erwachsenen spielen teilweise problematische Rollen. Der Schulvorstand hält zum Direktor, die Abstimmung verläuft nicht ordnungsgemäß und der Musiklehrer wird mit seiner Probe-Anstellung erpresst und zu einer falschen Zeugenaussage gezwungen. Freddy gibt sogar selbst zu, dass er nicht genug Mut gehabt hat, anders zu handeln. Die Familie von Frits hingegen hält toll zusammen, obwohl es auch manchmal Streit gibt wegen der ganzen Geschichte. Eine besonders lustige Figur ist übrigens der Opa der Familie.

Jüngere Jurymitglieder haben sich gefragt, ob die SchauspielerInnen im Film wirklich geschlagen worden sind, aber wir konnten sie beruhigen. Die Wunden an den Ohren von Frits und auch die von den Schlägen geschwollenen Stellen waren ganz ausgezeichnet geschminkt, so dass alles sehr echt ausgesehen hat.

Sehr gut gepasst hat die Musik, die teilweise aus der Zeit stammt, in der der Film spielt. In einigen Szenen wird der Original-Ton sogar weggenommen und nur die Musik bleibt übrig, um noch besser zu zeigen, wie sich die Beteiligten gerade fühlen und damit man sich noch besser konzentriert auf das, was passiert.

Es gibt auch ein paar schöne Bilder (z.B. die Szene, in der Frits voller Freude herumläuft und herumspringt, die Unterwasser-Aufnahmen, die Traktor-Fahrt usw.) und einige schöne Schärfe-Verlagerungen (von einer Person zur anderen, z.B. beim 1. Mal Singen von Frits).

Die Schadenfreude der Kinder (über Frits) war für uns nicht nachvollziehbar und wir glauben, dass Kinder das heute so gar nicht mehr machen würden. Wie Gott sei Dank ja auch das Prügeln von Kindern durch LehrerInnen heute gar nicht mehr erlaubt ist. Das Ende des Films bleibt offen, und wir konnten unsere Fantasie spielen lassen. Muss Frits’ Schulkollegin wirklich ins Internat und kommt der Vater aus der Anstalt zurück? Schön zu sehen war es jedenfalls, dass die Kinder ganz im Stil Martin Luther Kings und der 1968er-Generation am Ende stumm protestieren und damit dem Direktor (ohne Gewalt) Widerstand leisten. Wir denken, dass sich dieser Film ganz besonders für die Kinderrechte einsetzt und können ihn insgesamt wärmstens empfehlen!

 

Dänemark/
Großbritannien 2006
105 Minuten, Farbe

Regie: Niels Arden
Oplev
mit: Janus Dissing Rathke, Steen Stig Lommer, Anne-Grethe Bjarup Riis, u. a.

empfohlen ab 9 Jahren