Viva Cuba

© Internationales Kinderfilmfestival

VIVA CUBA

Malú und Jorgito sind die dicksten Freunde, die man sich vorstellen kann, auch wenn sie einander immer wieder heftig bekriegen. Als Malús Großmutter stirbt, beschließt die Mutter, Kuba zu verlassen und mit ihrer Tochter ins Ausland zu gehen. Das bedeutet Alarmstufe eins für die Kinder, die sich auf keinen Fall trennen wollen. Gemeinsam reißen sie aus, um Malús Vater am anderen Ende der Insel um Unterstützung zu bitten. Eine abenteuerliche Reise durch ganz Kuba beginnt, bei der Malú und Jorgito aufregende Erlebnisse miteinander teilen. Sie erkennen aber auch, dass sie zusammen halten müssen, wenn sie nicht scheitern wollen.

Ein auf Bild- und Tonebene filmästhetisch fantasievoll umgesetztes Road movie über Freundschaft und Liebe und das Unverständnis mancher Erwachsener.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser kubanische Kinderfilm hat uns einerseits gut gefallen, andererseits konnten wir und mit einigen Dingen in der Geschichte gar nicht anfreunden. Uns hat zum Beispiel das offene Ende verunsichert, weil man nicht wusste, wie die Sache für Malú und Jorgito ausgehen wird. Auch die Zeichentrick-Elemente und die Computer animierten Szenen haben wir nicht passend gefunden. Sie waren nur vereinzelt und nicht als durchgehendes filmisches Stilmittel eingebaut. (Zum Beispiel in der Nachtszene, als die beiden Kinder mit ihren Fingern die Sterne am Himmel verschieben oder der Albtraum von Jorgito, als ihm ein gefährlicher Geist, ein "Guya" erscheint.)

Die Geschichte allerdings und die beiden Hauptfiguren sind so, dass wir uns sehr gut in die Problematik des Films hineinversetzen konnten. Viele Kinder wissen, wie es ist, wenn die Eltern, den Umgang mit Freunden verbieten. Die Freundschaft von Malú und Jorgito, wie sich die beiden über dieses Verbot hinwegsetzen bis hin zu ihrer gemeinsamen Flucht zu Malús Vater wird in diesem Film sehr schön erzählt. Mit den Mitteln der Parallelmontage wird lustig und von beschwingter kubanischer Musik begleitet der Alltag der Kinder gezeigt: etwa in der Sequenz, wie sich beiden für die Schule fertig machen. Da läutet bei beiden abwechselnd der Wecker, dann sieht man sie beim Zähne putzen, am Klo sitzen, frühstücken bis sie sich in der nächsten Szene auf der Straße treffen und Hand in Hand in die Schule laufen. Es gibt aber auch sehr traurige Momente in dem Film, die durch die filmischen Gestaltungsmittel besonders berührend erlebt werden. Als Malús Oma stirbt, geht die Tür auf und dann wieder zu, so als wäre sie weggegangen.

Die abenteuerliche Reise der Kinder zeigt viele schöne Bilder von den Landschaften Kubas. Dabei sind uns immer wieder tolle Kamera-Einstellungen aufgefallen: wenn Jorgito und Malú aus der Vogelperspektive gezeigt werden oder die Szene, wie sie unter einer Palme rasten. Lustig war die Episode mit der blinden Frau, als Malú und Jorgito Milch und Brot stehlen und von deren Hund überrascht werden. Da konnte man toll an den Gesichtern der Kinder ablesen, wie "Gefahr in Verzug" ist. Gestört hat uns manchmal, dass die beiden während ihrer Flucht oft irgendeine Aktion planen und man aber nicht erfährt, wie es weitergeht.

Eigentlich ist eine Ausreißer-Geschichte ein sehr bekanntes Thema in Kinderfilmen. In diesem Film wird sie aber wieder ganz neu und anders erzählt, weil sie in einem fernen Land und einer für uns fremden Kultur spielt. Besonders die beiden starken Hauptfiguren Malú und Jorgito haben uns beeindruckt. Ihre Freundschaft, die durch heftige Streitereien auch immer wieder zu zerbrechen droht, ist eine wichtige Botschaft an die Erwachsenen in dieser Geschichte. Denn sie zeigen kaum Verständnis für die Gefühle und Bedürfnisse ihrer Kinder. So ist VIVA CUBA auch ein Film, der sich für die Rechte der Kinder einsetzt.

 

Kuba 2005
80 Minuten, Farbe

Regie: Juan Carlos Cremata Malberti
mit: Malú Tarrau Broche, Jorge Milo, u. a.

empfohlen ab 7 Jahren