WIE MAN UNSTERBLICH WIRD © Intandem Films

© Intandem Films

WIE MAN UNSTERBLICH WIRD
(WAYS TO LIVE FOREVER / VIVIR PARA SIEMPRE)

Preis der KInderjury Internationales Kinderfilmfestival 2011

Sam leidet an Leukämie und weiß, dass er bald sterben wird. Gemeinsam mit seinem Freund Felix, den er im Krankenhaus kennengelernt hat, zeichnet er auf Anregung der Lehrerin ein Video für die Nachwelt auf. Sam und Felix stellen darin "Fragen, auf die niemand antwortet": Wie weiß man zum Beispiel, dass man gestorben ist? Die Antworten, die sie finden, hält Sam in einem Buch fest. Und er und Felix haben eine Wunschliste mit Dingen, die sie noch tun wollen, bevor sie sterben: 18 Horrorfilme anschauen; mit einem Luftschiff fahren; ein Teenager sein und rauchen und trinken und eine Freundin haben.

Trotz des ernsten Themas kommt der Film, der auf Sally Nicholls Bestseller basiert, vollkommen ohne falsche Sentimentalität aus und erzählt einfühlsam und mit einer erstaunlichen Leichtigkeit von Sams Schicksal.

 

Kritik der Kinderjury

Sam ist 12 und er weiß, dass er bald sterben wird. Das hindert ihn nicht daran, seine Neugier auf die Welt zu verlieren. Ganz im Gegenteil, er beginnt auf Anregung seiner Lehrerin ein Video-Tagebuch zu führen. Darin stellt er Fragen, „auf die niemand antwortet“; und gemeinsam mit seinem ebenfalls Leukämie-kranken Freund Felix erstellt er eine Wunschliste mit Dingen, die er noch verwirklichen will. Wir waren begeistert von dieser berührenden Geschichte und davon, wie ungezwungen und ehrlich dieser Film mit den Themen Krankheit, Tod und Sterben umgeht.

Einer von Sams Wünschen ist es, einmal ein berühmter Wissenschaftler zu werden. Mit wissenschaftlichem Eifer geht er an die unbeantwortbaren Fragen heran. Filmisch sind diese Fragen kreativ und vielfältig umgesetzt: Kleine Inserts, die aussehen, als hätte Sam selbst die Fragen und Kommentare mit Filzstift auf den Film gekritzelt, begleiten durch die Geschichte. Einzigartig sind vor allem die wunderschönen und liebevoll gestalteten Animations-Sequenzen, in denen man beispielsweise Wissenswertes über die Krankheit Leukämie oder die Bestattungsriten verschiedener Völker erfährt. Es sieht so aus, als würde man in einem Faltbilderbuch blättern.

Trotz des traurigen Themas kommen der Humor und das Lachen nicht zu kurz. Wir hatten viel Spaß bei Sams und Felix’ schrägen Weltrekord-Versuchen – einem Punkt ihrer Wunschliste. So wagen sie sich vergeblich an den Rekord des Verzehrs von Regenwürmern heran, schaffen es jedoch; im Kleiderschrank des Kinderzimmers den kleinsten Nachtclub der Welt einzurichten. Wie ihre Altersgenossen wollen Sam und Felix natürlich auch „verbotene“ Dinge tun, zum Beispiel rauchen, trinken, Horrorfilme anschauen und ein Mädchen küssen. All das kommt sehr locker und unterhaltsam rüber. Das ist überhaupt die Kunst in diesem Film, Traurigkeit und Heiterkeit zu verbinden. Schön fanden wir auch, dass dieser Film mit so vielen verschiedenen Möglichkeiten der Bildsprache arbeitet. Wir fanden es gut, dass die Bilder des Video-Tagebuchs so holprig und unprofessionell gewirkt haben. Hervorheben wollen wir auch die vielen schöne Bildübergänge und die tolle Kamera.

Sam steht zwar immer im Mittelpunkt, wir erleben aber auch mit, wie seine Familie mit der belastenden Situation zurechtkommt. Es ist schön und traurig zugleich, mit anzusehen, wie Sams Vater und schließlich die ganze Familie beim Tagebuch-Projekt mithilft. Wir fanden es auch gut, dass Sam seine eigene Entscheidung treffen darf, als die Medikamente nicht mehr helfen. Das Recht auf die eigene Entscheidung ist vielleicht auch die einzige Antwort auf die unbeantwortbaren Fragen aus Sams Tagebuch. „Warum lässt Gott Kinder krank werden?“ ist eine davon. Auf einer Hauswand in Sams Wohngegend kann man nach Felix’ und nach Sams Tod ein Graffiti lesen: „It’s not fair!“ Trotzdem ist WIE MAN UNSTERBLICH WIRD ein bewundernswert mutiger und lebensbejahender Film!

 

Großbritannien 2010
91 Minuten, Farbe

Regie: Gustavo Ron
mit: Robbie Kay, Ben Chaplin, Alex Etel, u. a.

empfohlen von 10 bis 14 Jahren

Gustavo Ron
Gustavo Ron