Wo ist Winkys Pferd?

© Bos Bros

WO IST WINKYS PFERD?
(WAAR IS HET PAARD VAN SINTERKLAAS?)

Winky schreibt regelmäßig Briefe an den Nikolaus, der ihr erlaubt hat, sich während seiner Abwesenheit um sein Pferd Amerigo zu kümmern. Und sie kann kaum ihren Geburtstag erwarten, denn dann darf sie endliche Reitstunden nehmen! Groß ist allerdings die Enttäuschung, als nicht Amerigo, sondern das Pony Naf-Naf für sie bereit steht. Kann man es Winky verdenken, dass sie Amerigo heimlich reitet? Alles geht gut, bis ein Hund Amerigo verschreckt. Das Pferd wirft Winky ab und läuft davon. Winky ist verzweifelt. Was soll sie bloß tun?

Auch die Fortsetzung von "Ein Pferd für Winky" (Festival 2006) zeichnet sich durch die durchgängige Kinderperspektive aus, und Ebbi Tam als Winky wird sich auch dieses Mal in die Herzen der kleinen und großen ZuschauerInnen spielen.

 

Kritik der Kinderjury

Wir waren uns einig, dass dieser Film für Kinder im Volksschulalter perfekt geeignet ist. Überrascht hat uns, dass wir die Geschichte alle spannend fanden und dran geblieben sind, obwohl sie eigentlich für jüngere Kinder als uns gemacht worden ist. Wir konnten uns sehr gut in die kleine Hauptfigur hineinversetzen und gemeinsam mit ihr ihre Geschichte erleben. Wie es Winky in einer bestimmten Situation gerade ging, konnten wir gut nachvollziehen, da einerseits über ihr Gesicht bzw. ihre Mimik ihr Seelenzustand immer sehr gut erkennbar wurde, und da es andererseits viele sehr schöne Stimmungsbilder gab, wie z.B. Regen, wenn sie traurig war.

Erstaunt waren wir darüber, wie unabhängig und selbständig so junge Kinder wie Winky in den Niederlanden offensichtlich sind, z.B. sie ist einmal noch spät am Abend alleine mit dem Rad unterwegs.

Die Figuren „Tante Cor“ und „Samir“, der im Restaurant von Winkys Vater arbeitet, sind wichtige Bezugspersonen für Winky. Sie hören ihr zu, als sie Sorgen hat, und Tante Cor schimpft nicht einmal mit ihr, als das Pferd Amerigo verschwunden ist. Gut gefallen hat uns auch die Figur „Bram“, der der neue kleine Klassenkamerad von Winky ist. Die beiden freunden sich an, streiten und versöhnen sich wieder, und Bram versucht, Winky mit seinem Traumfänger zu helfen, Amerigo wieder zu finden.

Es gibt zwei spannendere und dramatischere Szenen, einmal als Winky vom Pferd stürzt (in Zeitlupe), und das andere Mal, als sie auf der Suche nach dem Pferd in den Wald geht. Ansonsten ist der Film – passend für jüngere Kinder – eher ruhig und langsam erzählt. Die häufig subjektive Kamera erzählt die Geschichte ganz aus Winkys Sicht, was auch noch durch die Briefe verstärkt wird, die sie immer wieder schreibt. Ihre Gedanken und ihre Stimmung werden so aus dem Off kommentiert. Die Kamera befindet sich meist auf Winkys Augenhöhe und nimmt sehr schön ihre Perspektive ein. Das „zu klein für etwas sein“ ist ja auch ein wichtiges Thema im Film.

Die SchauspielerInnen haben ihre Sache alle sehr gut gemacht, besonders imponiert haben uns natürlich die KinderdarstellerInnen, die beide sehr jung sind. Lobend erwähnen wollen wir auch unbedingt die tolle Ausstattung, z.B. von Winkys Zimmer (Kalender, Collage von Amerigo usw.). Es hat uns überhaupt gefallen, dass wir die Traditionen einer chinesischen Familie gut kennen lernen konnten (Dekoration von Wohnung und Pferdebox, Essen – auch im Spital, Geburtstagsmitbringsel für die Schule u. ä.). Auch die schönen Landschaftsaufnahmen, die dem Film neben der häuslichen Situation ein Gefühl von Weite geben, mochten wir sehr. Die Geräusche im Film waren sehr gut gemacht und die Musik wurde eher sparsam eingesetzt, aber wenn, hat sie immer sehr gut gepasst (chinesisch, spannend . . .).

Zwei Kleinigkeiten vielleicht noch: Die Schwangerschaften im Film (Winkys Mutter und Amerigo) verliefen für uns eher ungewöhnlich schnell und am Ende hätten wir gerne noch genauer gewusst, wie es mit Winky und dem Pferd weitergeht. Insbesondere Volksschulkindern (aber nicht nur!) können wir diesen Film wärmstens empfehlen!

 

Gedanken zum Film von Johannes Hochgatterer

Ein Film wie WO IST WINKYS PFERD könnte genauso in der Erwachsenenwelt angesiedelt sein. Die Themen Verlust, Liebe und Freundschaft finden sich schließlich in unzähligen Filmen. Interessant dabei zu beobachten war, wie eine spielerische Art der Symbolik (ich behaupte typisch für Kinderfilme) die Erzählung vorantreibt. Ich denke dabei zum Beispiel an die Szene, in der Winkys Freund ihr einen Traumfänger schenkt, der den Wunsch der Protagonistin, ihr Pferd wieder zu finden, illustriert, oder ganz allgemein an die Bedeutung des Nikolaus. In regelmäßigen Abständen schreibt Winky Briefe an ihn, um so dem Zuseher ihre Gefühle zu verdeutlichen.

Interessant war für mich die Unterschiedlichkeit in der Empfindung des ganz jungen Publikums gegenüber dem älteren. Oft wurde an unterschiedlichen Stellen gelacht oder mitgefiebert.

Besonders eindrucksvoll fand ich, dass das junge Publikum einen ausgereiften Sinn für Filmdramaturgie besitzt. Neben mir saß beispielsweise ein Bub, der bei jener Szene, als Winky auf das Pferd steigt, um alleine auszureiten, sagte: "Jetzt passiert sicher gleich etwas!"

Eine äußerst lohnende Erfahrung.

Johannes Hochgatterer ist Student der Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien

 

Niederlande/
Belgien 2007
83 Minuten, Farbe

Regie: Mischa Kamp
mit: Ebbi Tam,
Mamoun Elyounoussi,
u. a.

empfohlen ab 6 Jahren

Mischa Kamp
Mischa Kamp