DIE ZAUBERER © Delphis Films

© Delphis Films

DIE ZAUBERER
(HET GEHEIM)

Publikumspreis Internationales Kinderfilmfestival 2011

Seit Ben eine Zauberershow gesehen hat, ist er von der Welt der Magie so fasziniert, dass er selbst Zauberstunden nimmt und die gelernten Tricks gemeinsam mit seinem arbeitslosen Vater und seiner Freundin Sylvie erfolgreich vor einem immer größer werdenden Publikum vorführt. So wird aus einem Hobby ein Broterwerb für die ganze Familie. Aber ein ungeschickter Vater macht noch lange keinen guten Zauberer, und als Sylvie bei einem Trick auf Nimmerwiedersehen verschwindet, ist guter Rat teuer. Kann Ben seinem Vater helfen, das Rätsel zu lösen?

Wie von Zauberhand spielt Regisseur Joram Lürsen mit der Grenze zwischen alltäglicher Wirklichkeit und magischer Realität und macht so seinen Film zu einem ebenso spannenden wie tiefsinnigen Erlebnis für die ganze Familie.

 

Kritik der Kinderjury

Dieser Film hat gleich mehrere Geschichten zu bieten. Es geht um Familien, also z.B. darum, dass ärmere Familien sogar glücklicher sein können als reiche, wenn alle füreinander da sind. Aber es geht auch um Freundschaft und ums Zaubern und die Magie. Wir waren froh, dass der Verschwinde-Trick nicht verraten worden ist. Diese Szene ist sehr geschickt gemacht, denn die Kulissenschieber verdecken, wie der große Zauberer Hans Smid Ben erklärt, wie der Trick funktioniert. Besonders gut hat uns gefallen, dass in diesem Film alle etwas dazulernen müssen, auch die Erwachsenen, wie etwa die Mutter von Sylvie, die begreifen muss, dass ihre Tochter sie braucht.

Der Film steckt voller liebevoller und lustiger Details. Die kleinen Geschwister von Ben würden am liebsten dauernd Palatschinken essen, und das wird immer wieder angesprochen. Oder die Szene, als Ben bei Sylvie vom Balkon klettern muss und das mit „Klettern liegt nicht so in der Familie“ kommentiert, weil sein Vater schon dreimal vom Baum gefallen ist (und deswegen seine Arbeit als Förster verloren hat). Der Vater stürzt dann (absichtlich) ja sogar noch ein viertes Mal ab – das hat sehr gut gepasst und war ein konsequenter Abschluss dieses Themas.

Ein wenig gestört hat uns, dass die Ungewissheit, wo Sylvie hin verschwunden ist, so lange dauert. Ein Hinweis auf sie wäre gut gewesen, oder dass Ben sie noch früher findet. Wir haben uns auch gefragt, wie sie es tagelang schafft, sich mit Essen zu versorgen oder aufs Klo zu gehen, ohne dass jemand das bemerkt. Aber jüngere Kinder werden darüber vermutlich gar nicht so lange nachdenken wie wir.

Als Figur hat uns Bens Vater sehr gut gefallen. Er ist sehr ungeschickt, aber nett. Einmal geht er einkaufen, vermummt und mit Sonnenbrille, damit er nicht erkannt wird, aber natürlich wird er gleich von jemandem angesprochen und entlarvt. Vor der abschließenden Zaubershow starrt er angespannt ins Nichts, und erst die Bemerkungen der rumänischen Nanny bringen ihn dazu, dass er doch wieder hineingeht und gemeinsam mit Ben auftritt.

Die Kamerabilder sind sehr gut gelungen! Es gibt viele Großaufnahmen, weil es wichtig ist, dass man die Gefühle der Figuren gut von den Gesichtern ablesen kann, z.B. Bens Begeisterung für Hans Smid gleich zu Beginn. Oder dass Ben Sylvies einschüchternde Mutter aus der Froschperspektive sieht, als er ihr zum ersten Mal begegnet. Die Zaubershows sieht man eher von weiter weg, was gut ist, weil man so natürlich nicht so leicht auf die Tricks draufkommt. Die Lichtgestaltung ist auch sehr interessant, denn es wird manchmal sogar gegen die Scheinwerfer gefilmt, was uns sehr gut gefallen hat. Es gibt überhaupt viele schöne Einstellungen, z.B. als Ben und Sylvie im Kasten sitzen und von oben durch ein Gitter ins Zimmer zur Mutter bzw. zur Nanny hinunter schauen.

Die Spannung hält bis zum Schluss, und wir konnten uns sehr gut in die Geschichte hineinversetzen. Wie das Publikum haben auch wir sehr viel gelacht und uns bei dieser Mischung aus Komödie und Fantasie bestens unterhalten. Von uns bekommt der Film daher die wärmsten Hingehen-und-unbedingt-anschauen-Empfehlungen!

 

Niederlande 2010
94 Minuten, Farbe

Regie: Joram Lürsen
mit: Thor Braun, Theo Maassen, Chantal Janzen, Java Siegertsz, u. a.

empfohlen ab 6 Jahren

Joram Lürsen
Joram Lürsen