Zoomer © Danish Film Institute

© Danish Film Institute

ZOOMER
(ZOOMERNE)

Preis der KInderjury Internationales Kinderfilmfestival 2010

Alexander ist ein Mädchenschwarm, aber ein schlechter Schüler. Seinem besten Freund Tim fällt das Lernen leicht, doch er ist viel zu schüchtern, um sich der angebeteten Thea auch nur zu nähern. Zum Glück hat Alexander eine glänzende Idee: Mit der von Tims Mutter, einer Sicherheitsexpertin, "geborgten" Überwachungsausrüstung könnte man doch die Fragen für die entscheidende Schularbeit herausfinden. Gleichzeitig ließe sich in Erfahrung bringen, worauf Thea steht – und Tim mit diesem Wissen helfen. Doch die beiden kleinen James Bonds wissen nicht, worauf sie sich damit einlassen!

Hinter der actionreichen Komödie verbirgt sich eine kluge Auseinandersetzung mit dem brisanten Thema zunehmender Überwachung und mangelndem Schutz der Privatsphäre.

 

Kritik der Kinderjury

"Dabei kommt vielleicht mehr raus, als wir wissen wollen." – eine wahre Erkenntnis! Tim und Alex finden das Beobachten der LehrerInnen (insbesondere ihrer Mathematik-Professorin Ina) und der Mädchen rund um Thea zunächst lustig. Für uns war es schockierend zu sehen, dass es sie nicht gekümmert hat, dass sie in die Privatsphäre anderer eindringen. Die Buben bekommen allerdings auch einige unangenehme Dinge über sich selbst zu hören. Und sie erliegen der Versuchung, ihr unrechtmäßig erworbenes Wissen für ihre Zwecke auszunutzen, z.B. Tim bei der Annäherung an Thea oder als er sich gegen den Bettnässer "Piss-Niels" zur Wehr setzen muss. Und Alex natürlich speziell beim Erschummeln des Tests. Bald wächst ihnen die Sache über den Kopf, und vor allem Tim begreift, dass das Ausspionieren verletzend sein kann. Er versucht sogar, Alex zu schützen, indem er den Stecker rauszieht, als der Betrug des Vaters ins Bild kommt.

Obwohl die beiden sehr unterschiedlich sind, war für uns die Geschichte ihrer Freundschaft realistisch und glaubwürdig. Beide profitieren voneinander: Alex in der Schule und bei ihrem Coup (die Erfindung des coolen Roboters geht z.B. auf Tims Kappe), Tim gegenüber den MitschülerInnen (wegen der Hänseleien) und bei der Annäherung an Thea (der "alte" wird zum "neuen" Tim). Die lustigste Szene in diesem Zusammenhang war übrigens, als Alex und Tim das Küssen üben. Manche der anderen Figuren waren für uns nicht so gut zu erkennen (Niels, Alex’ Vater und Ina, die beiden Mütter).

Ein wenig unglaubwürdig war für uns, welch riesiges Arsenal an aufwendigem Equipment die beiden verwenden. Wie im Film die Bilder der Überwachungskameras eingesetzt werden, hat uns allerdings besonders gut gefallen. Manchmal wissen die ZuschauerInnen sogar mehr als Tim und Alex (z.B. als Thea kommt!)! Die Zooms der Kameras passen gut zum Titel des Films. Es gibt viele Vogelperspektiven von der Stadt, die sich gut für das Thema Überwachung eignen. Häufig wird die subjektive bzw. bewegte Kamera eingesetzt.

Die Spannung ist besonders gut dosiert. Es gibt viele kleine Szenen, die sehr spannend sind, z.B. als der Countdown läuft und Tim den Code für das Geschäft erraten muss. Oder als die Lehrerin im Anmarsch ist, während Alex noch im Büro des Direktors am Safe hantiert. Meist gehen diese Szenen auch auf nicht vorhersehbare Art und Weise zu Ende, was wir sehr gut fanden. Actionreich und hervorragend geschnitten ist Tims Fahrradfahrt quer durch die Stadt zum Geschäft, bei der er sogar über ein Auto fährt. Ein anderes Beispiel für tollen Schnitt ist die Szene beim Schlafengehen, als Alex die Lampe immer wieder abdreht, während Tim sie immer wieder aufdreht. Man sieht ihre Gesichter nur einzeln und immer abwechselnd. Parallelmontagen haben wir auch ein paar entdeckt (z.B. Roboter – Direktor, Tim – Henrik).

Die Spionage-Musik wird zwar etwas überstrapaziert, aber sonst finden wir die spannende Musik und die gut gemachten Geräusche sehr stimmig.

Es ist gut, dass Tim und Alex nie erwischt werden, sondern dass sie selbst draufkommen, dass sie nicht richtig gehandelt haben. Das ist viel wirksamer, als würden die Erwachsenen sie ermahnen. Für uns ist ZOOMER insgesamt ein lustiger, spannender und toll gemachter Film zu einem sehr aktuellen Thema (mit einigen interessanten Neben-Themen!). Wir konnten uns sehr gut mit den super gespielten, realistischen Hauptfiguren identifizieren. Große Empfehlung der Kinderjury!

 

Preisbegründung der Kinderjury

Dieser Film ist ein perfektes Gesamt-Paket: Er ist lustig, spannend, hat eine gute Geschichte und ist toll umgesetzt. Das Thema ist durchaus ernst, denn es geht um Überwachung und die Verletzung der Privatsphäre. Die Erfahrungen von Tim und Alex zeigen, dass das Ausspionieren weitreichende Folgen haben kann. Es kommt gut heraus, wie ihnen ihr geheimes Wissen über den Kopf wächst. Die Freundschaft von Tim und Alex ist realistisch gezeichnet, denn beide haben ihre Stärken und Schwächen, und manchmal nützen sie einander auch aus. Wir finden es gut, dass die beiden aus ihren Erfahrungen lernen – die Erwachsenen brauchen sie dazu nicht.

Besonders gefallen haben uns der Einsatz der Bilder aus den Überwachungskameras und die Verwendung von Vogelperspektiven, die gut zum Thema passen. Der Schnitt ist einfallsreich und dynamisch, die Spannung gut dosiert und die Mischung aus Action und Tiefgang gelungen.

 

Dänemark 2009
85 Minuten, Farbe

Regie: Christian E. Christiansen
mit: Henrik Prip, Sally Mørk, Helle Dolleris, u. a.

empfohlen von
8 bis 14 Jahren

Christian E. Christiansen
Christian E. Christiansen