ZUGVÖGEL

© Ring Prod

ZUGVÖGEL
(OISEAUX DE PASSAGE)

Cathy bekommt von ihrem Vater zum Geburtstag ein Entenei geschenkt. Als das Küken schlüpft, sitzt Cathys Freundin Margeaux zufällig vor dem Käfig und wird deshalb für das Entenküken zur Mutter. Aber Margeaux sitzt im Rollstuhl, und ihre Eltern wollen das kleine Entlein nicht behalten. Damit es nicht als Leberpastete endet, machen sich Cathy und Margeaux heimlich auf eine abenteuerliche Reise, um den Vogel in der freien Wildbahn auszusetzen. Verfolgt werden sie dabei von ihren überbesorgten Eltern und sogar von der Polizei.

Behindertenproblematik und die Rettung eines Tieres vor den Klauen der industrialisierten Tierverwertung – in einem heiteren Roadmovie mit leichter Hand verbunden.

Preis der Jury, Internationales Kinderfilmfestival Montreal
Preis der Jury und ECFA-Preis, Internationales Kinder- und Jugendfilmfestival Zlin

Trailer:

Kritik der Kinderjury

Dieser poetische Film erzählt eine kleine Geschichte, aber wie der Filmemacher sie in Szenen und Bilder umgesetzt hat, macht das Besondere aus. Die schönen und ruhigen Bilder und die Filmmusik (zum Beispiel die Eröffnungssequenz mit den Schwänen) sind dabei ein wichtiger Beitrag. Trotz des ruhigen Tempos bleibt die Geschichte immer spannend und behandelt das wichtige Thema Menschen mit Behinderung auf berührende Weise.

Wir fanden es vom Drehbuch gut ausgedacht, wie Margaux durch einen Zufall die "Mutter" des frisch geschlüpften Entleins wird und wie dieses Motiv die weitere Handlung bestimmt. Trotz ihrer Behinderung möchte Margaux das Entenküken behalten und auch selbst versorgen. Ihre Eltern trauen ihr das nicht zu. Ihnen ist es wichtiger, dass Margaux in einem Tagesheim optimal betreut wird. Schon während der ersten Tage dort reißt sie mit Hilfe ihrer Freundin Cathy aus. Sie hinterlässt eine Abschiedsbotschaft, die sie mit Vogelfutter-Körnern auf Papier klebt: "Ich komme gleich!" Das war ein sehr lustiger Regie-Einfall!

Der Film arbeitet oft mit Parallelhandlungen, die sehr gut geschnitten sind und in denen die Musik auch effektvoll eingesetzt wird. Zum Beispiel als das Entenküken aus seinem Versteck entwischt, während Margaux in der Physiotherapie ihre Übungen machen muss. Besonders kreativ sind Kamera und Schnitt bei einer der spannendsten Szenen des Films. Sie wird über ein Handy-Video vermittelt. Cathy gibt Margaux via Handy Anweisungen bei den Schwimmversuchen des Entenkükens, während Margaux die Skype-Bilder an sie schickt. Als das Entenküken untergeht und Margaux bei dem Versuch es herauszufischen in die Badewanne fällt, sehen wir als ZuschauerInnen mit Cathys Augen gefühlte Minuten lang kein Bild am Display, bis endlich Margaux völlig durchnässt, aber glücklich mit dem Küken am Kopf in die Handy-Kamera lacht.

Auch die Figuren in dieser Geschichte haben uns sehr gut gefallen, und die schauspielerischen Leistungen der DarstellerInnen sind toll. Cathys Vater ist sehr sympathisch. Anfänglich glaubt man vielleicht, er ist ein bisschen verrückt und schrullig, aber im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass er die Anliegen der Kinder am besten versteht. Bei einigen Szenen sind uns kleine Regiefehler aufgefallen, z.B. als Cathy mit ihrer Mutter bei Regen Auto fährt, und danach beim Aussteigen die Straße aber trocken ist. Aber insgesamt tun diese Fehler dem Film keinen Abbruch. Mit den Szenen von der Entenfarm wird das Thema Tierschutz sehr kritisch beleuchtet. Man sieht die Schattenseiten der Massentierhaltung, wenn gezeigt wird, wie dort die Entenküken aussortiert werden.

Das "happy end" des Films passt zur Geschichte. Schön, dass Cathys Papa die Polizisten und schließlich die anderen Eltern davon überzeugen konnte, die beiden Mädchen auf der Vogelinsel in Ruhe ihre Mission zu Ende führen zu lassen. Auch wenn es ein bisschen traurig ist, als das Entenküken in die Freiheit schwimmt.

 

Belgien 2015
84 Minuten, Farbe

Regie: Olivier Ringer
mit: Clarisse Djuroski, Léa Warny, Alain Eloy, Myriem Akkhediou u. a.

7 +

französische Originalfassung, deutsch eingesprochen

VOTIV KINO
Montag / 16.11. / 9 Uhr

CINEMAGIC
Donnerstag / 19.11. / 15 Uhr

CINE CENTER
Freitag / 20.11. / 16 Uhr

Olivier Ringer
Olivier Ringer