Wien
16. – 24. November 2019
16. – 24. November 2019
CINE CENTER  |  CINEMAGIC  |  VOTIV KINO

Die Filmkritiken der Kinderjury

ABE

 

„Ein Film, der Lust auf Kochen und Essen macht“ 

 

      Es ist eine coole Idee, dass Abe mit seiner Leidenschaft zu kochen, versucht, seine Familie näher zu bringen, denn es muss sehr schwer sein, in einer Zwickmühle wie Abe zu sein. Egal zu welcher Religion (wenn überhaupt eine) er sich bekennt, es gibt immer jemanden in der Familie, der enttäuscht sein wird. In so einer Situation wären wir nicht gerne. Wir finden es außerdem unfair, dass die Erwachsenen über ihn reden, ohne ihn mit einzubeziehen und seine Entscheidungen nur belächeln (wenn er versucht zu fasten, wenn er einen Schluck Wein probiert, wenn er seine Geburtstagstorte selber bäckt oder das Brathuhn anschneiden möchte).
In die Szenerie am Esstisch wurden wir durch den Wechsel der Kamera von allen Seiten direkt miteinbezogen. Überhaupt gab es interessante Perspektiven im Film, zum Beispiel die Sicht aus dem Backofen oder die Vogelperspektive auf Abe im Bett liegend. Das sich drehende Planeten-Mobile an der Decke könnte ein Symbol dafür sein, dass er wie die Sonne der Mittelpunkt ist und sich seine Familienmitglieder wie Planeten um ihn herum drehen.
Die Gefühlswelt der Figuren war durch die Schauspieler_innen (teilweise auch ohne Sprache) gut sichtbar. Wir finden es cool, dass Noah Schnapp mitspielt, den wir aus der Serie „Stranger Things“ kennen. Verwirrt hat uns aber, dass er einen 12jährigen spielt, obwohl er schon älter ist. Wegen Abes Erzählstimme und seinen Social-Media-Aktivitäten konnten wir seine Gefühls- und Gedankenwelt besonders gut nachvollziehen. Die südamerikanische Musik hat Chicos Kochstil verdeutlicht und im Film für gute Laune gesorgt.

 

Statements einzelner Jury-Kinder:

„Chico war ein echt cooler Typ.“

„Das Essen hat sehr lecker ausgesehen, auch wenn mir der Großteil davon nicht geschmeckt hätte.“

„Die Eltern sind eigentlich sehr ähnlich, nur die Religion unterscheidet sie.“

 

 

 

BINTI

 

„Rettet die Okapis und eine Patchwork-Familie!“

 

    Bintis Geschichte wurde in ihren selbstgemachten Videos cool in Szene gesetzt. Am Anfang war uns nicht ganz klar, warum sie mit ihrem Vater vor der Polizei flüchten muss. Umso überraschender war, dass die beiden so schnell von Christine und Elias zu Hause aufgenommen wurden. Die verschiedenen Erzählstränge zwischen den Figuren waren klar verständlich. Sowohl die Freundschaft zwischen Elias und Binti, die mit ihm Videos zum Schutz der Okapis gestaltet, als auch das gemeinsame Verhindern der Beziehung zwischen Christine und ihrem Nachbar Floris. Hierbei sei die lustige Szene beim Fufu-Essen erwähnt. Die meisten Figuren waren uns symphatisch, nur Floris Charakter war nervig, weil er in den ungeeignetsten Momenten kam und, weil er Binti und Jovial am Ende verraten hat.

In den Szenen mit lebendiger Hand-Kamera konnten wir uns besonders gut in Binti, die sehr gut gespielt hat, hineinversetzen. Für Lacher haben Bintis Fischauge-Aufnahmen zu Beginn gesorgt. Durch die vielen Schnitte haben wir klar erkennen können, wer mit wem spricht und wer wen beobachtet. Zum Beispiel sieht Elias, dass sich Binti freut, als sie Christine und Jovial beim Tanzen zuschaut.

In diesem Film wurden einige Kinderrechte verletzt: das Recht auf Familie, das Recht auf Schutz und Asyl sowie das Recht auf ein sicheres Zuhause.

 

Statements einzelner Jury-Kinder:

„Im Film gab es viele Hochs und Tiefs, die die Geschichte sehr abwechslungsreich gemacht haben.“

„Die letzte Szene im Flugzeug war zwar ernst, wurde aber ein Happy End!“

 

 

 

CHUSKIT

 

„Dort hat man es richtig schwer, wenn man querschnittsgelähmt ist.“

 

    Die Geschichte war gut und wir haben sehr gut mit der Hauptfigur Chuskit mitleben können. Die Schauspieler_innen haben sehr gut gespielt, vor allem, als sie absichtlich zu weinen begonnen haben. Das war sicher sehr schwierig. Richtig geil war der Bruder. Er war immer so nett zu seiner Schwester, hat ihr geholfen und hat ihr einen Lift gebaut. Nur der Opa war sehr nervig, weil er wollte, dass alles so bleibt wie es ist. Er wollte keine Veränderung in seiner Familie, aber am Ende hat er schließlich gecheckt, dass Chuskit in die Schule gehen will.

Die Kameraführung war sehr ruhig, was aber für diesen Film sehr passend war. Dadurch war es ein bisschen wie eine Dokumentation. Die indische Instrumentalmusik hat perfekt dazu gepasst, da der Film ja auch in Indien spielt. Er gibt einen ganz neuen Einblick in diese Region der Welt.

Chuskits (Kinder-)Rechte wurden vor allem dann verletzt, als ihre Familie sie gegen ihren Willen in ein Kloster geben wollte und, als der Opa ihr verbot, im Freien zu sein, obwohl der Arzt es ihr empfohlen hat. Besonders schön fanden wir die Szene am Ende, als das ganze Dorf die Brücke für Chuskit gebaut hat. Dass wir die Schauspielerin Dewa und die Regisseurin Priya kennenlernen durften, war ziemlich aufregend!

 

Statements einzelner Jury-Kinder:

„Ich fand den Film schön und traurig zugleich.“

„Man könnte dem Film 10 Extrapunkte geben!“

 

 

 

DANIEL

 

„Warum redet ihr nicht mehr miteinander?!“

 

Bei diesem Film waren wir uns nicht immer ganz einig. Manche von uns fanden es cool, dass während des dunklen Beginns plötzlich das Licht im Stiegenhaus aufgedreht wird, während andere dachten, jetzt es beginnt ein Horrorfilm (von allein öffnende Tür, klappernde Fenster, Schrei). Die Musik im Film hat den meisten von uns gut gefallen, weil sie gut zum Stil des Filmes passt.

Manche Szenen haben uns alle verwirrt oder waren nicht ganz logisch: das Gespräch mit der Schulärztin, der Diebstahl in der Bäckerei und die vielen unversperrten Türen in der Schule.

Es gab viele Nahaufnahmen mit unterschiedlicher Schärfentiefe, die die Gefühle der Hauptfiguren gut sichtbar gemacht haben. Um uns aber in die Figuren gut hineinversetzen zu können, haben uns dann doch Dialoge zwischen den Figuren gefehlt. Beeindruckt sind wir von dem Mut der Schauspieler_innen! Wir hätten uns nicht getraut, halb nackt vor die Kamera zu treten.

Obwohl Marte am Ende lächelt, wäre eine klare Aussprache zwischen Daniel und Marte schön gewesen, denn das offene Ende kam für uns zu plötzlich. Wir hätten gerne noch gewusst, was nach dem Terroralarm passiert. War es wirklich nur ein Probe-Alarm?

 

Statements einzelner Jury-Kinder:

„Er schaut das Mädchen an, weil er in der Pubertät ist.“

 

 

 

INVISIBLE SUE – PLÖTZLICH UNSICHTBAR

 

„Im Superheld_innen-Film gibt es auch immer Superschurken“

 

    Der Film hat uns mit dem Superheld_innen-Genre sehr überzeugt. Ton, Kamera, Kostüme und Schauspieler_innen waren sehr stimmig. Manchmal gab es sehr schnelle Schnitte, die der Geschichte zu noch mehr Action verholfen haben. Die vielen Schwenks und Perspektiven der Kamera hat uns die „Mitlebung“ der Figuren erleichtert. (Drill wird einmal von sehr weit unten gefilmt, sodass er richtig böse wirkt.) Nur die verzerrte Computerstimme von Alfred war teilweise unverständlich und unpassend.

Alle drei Hauptfiguren (Sue, App und Tobi) haben uns gut gefallen, besonders die Erfinderin App mit ihren coolen Gadgets. Nicht nur ihr Charakter, auch ihr Look waren sympathisch. Manche von uns konnten sich allerdings am besten in den Sidekick Tobi hineinversetzen, weil er am Anfang auf Sue zugeht und sich im Verlauf des Films um sie kümmert.

Der Anfang und das Ende im Comic-Stil, Sues Unsichtbarkeit und die Special Effects (Stunts mit dem Motorrad, Explosionen) waren sehr beeindruckend und gut gemacht. Vor allem die Musik hat Spannung verursacht und für Dramatik gesorgt. – Ein Film, den wir uns alle gerne noch einmal anschauen würden!

 

Statements einzelner Jury-Kinder:

„Ohne die Musik, wäre es nicht so spannend und gruselig gewesen!“

 

 

 

DIE RETTUNG DES EULENWALDES

 

“Beeindruckende Tieraufnahmen und wunderschöne Zeichnungen”

 

    Der Anfang war mit den vielen Personen ein bisschen verwirrend, hat aber filmisch Sinn gemacht, da wir uns gut in Eia hineinversetzen konnten und wie sie erst Schritt für Schritt ihre Familie kennen gelernt haben. Besonders gut haben uns die genauen Tieraufnahmen in freier Wildbahn im Schnee und auch Eias Bleistift-Tierzeichnungen gefallen.

Obwohl alle Schauspieler_innen sehr gut gespielt haben, war Eia besonders gut, weil sie emotionaler als die anderen war und die Gefühle sehr gut nachgespielt hat. Von Jette war es sehr lieb, dass sie sich von Anfang an um Eia gekümmert hat. Die Zwillingsbrüder waren durch ihre Späße sehr lustig.

Die Kameraaufnahmen waren sehr abwechslungsreich: durch die Totalen von Landschaft und Wald haben wir das Gefühl gehabt, mitten im winterlichen Estland zu sein; durch die nahen Aufnahmen von Eia konnten wir gut ihre Gefühle nachvollziehen und, dass sie ein Recht darauf hat, zu erfahren wer ihre Familienmitglieder sind.

Das Einzige, was uns störend aufgefallen ist, war der unecht wirkende Bauch von Raivo und der plötzliche Wechsel auf die „gute Seite“ von dem Jungen Ats am Ende.

 

Statements einzelner Jury-Kinder:

„Der Großvater war so nett und hat kuschelig ausgesehen.“

„Warum hat Jette Moorits nicht gleich geküsst, als sie die Gelegenheit dazu hat, nachdem sie vom Baum gefallen ist?!“

 

 

 

ROMYS SALON

 

„Romys Situation ist sicher nicht einfach“

 

    Manche von uns konnten sich nicht so gut in Romy hineinversetzen, vielleicht weil wir noch nie in einer ähnlichen Situation waren. In den Gesprächen mit den Eltern wird sie nicht miteinbezogen, obwohl es um ihre Großmutter geht.

Allein die Bildebene erzählt sehr deutlich was passiert, denn schon allein durch das erste und das letzte Bild im Film ist Romys Geschichte in einem Bogen zu sehen. Am Anfang sitzt das Mädchen in der Mitte, die Erwachsenen stehen mit Abstand neben ihr, ohne, dass ihre Gesichter im Bild sind und entscheiden über ihre Nachmittagsbetreuung. Das Schlussbild hingegen zeigt die drei Figuren sich umarmend auf der Rückbank sitzen, die Oma in der Mitte. 

Durch Romys Erzählstimme wird klar, wie sich die Beziehung zu ihrer Großmutter in relativ kurzer Zeit verändert. Am Beginn ist Romy ein „Störfaktor“ in Oma Stines Friseursalon, die sich um ihre Enkeltochter kümmert. Im Laufe der Zeit wird ihre Beziehung zueinander inniger, bis sich Stines Alzheimer-Krankheit so weit entwickelt, dass sich schließlich Romy um ihre Oma kümmert. Sichtbar wird das vor allem darin, dass zuerst Stine ihre Enkelin ins Bett bringt, später bringt Romy ihre bereits verwirrte Großmutter fürsorglich ins Bett. Auch das äußere Erscheinungsbild der Oma verändert sich sehr stark von einer adretten Dame bis hin zu einer zerzausten Frau.

Im Film gibt es zwei fröhliche Lieder, die sich vom Rest der Musik unterscheiden. Während diese zu hören sind, vergeht jeweils ein ganzer Tag in ziemlich kurzer Zeit. Zuerst verbringen Stine und Romy einen Tag mit shoppen, später reisen sie gemeinsam nach Dänemark.

 

Statements einzelner Jury-Kinder:

„Ein Extra-Punkt für die Oma: sie hat sehr gut gespielt und ist immer ernst geblieben.“

 

 

MEINE WUNDERBAR SELTSAME WOCHE MIT TESS

 

„Der Film macht Lust auf Urlaub (und Fish & Chips)!“

 

    Durch Sams Erzählstimme haben wir uns gleich zu Beginn gut in ihn hineinversetzen können. Tess ist ein neugieriger und selbstbewusster Charakter, während Sam schüchtern und verträumt ist. Wenn sie sich streiten, versöhnen sie sich spätestens am nächsten Tag, was sehr gut ist. Beide Schauspieler_innen haben sehr gut gespielt. Hille war cool, er hatte ein glückliches Leben. Erst durch ihn, merkt Sam wie wichtig gemeinsame Erinnerungen sind. Dadurch beschließt er, Hugo die Wahrheit über Tess zu sagen.

Die Geschichte hat uns allen gut gefallen, besonders gut war aber die Kamera. Sie filmt bei Sams Alleinseinstraining am Strand immer von weit oben, sodass man sich bei den Totalen mit Sam zusammen alleine fühlt. Durch die Vogelperspektive wirkt er sehr klein und verlassen. Auch die Szene, in der sich Tess und Sams Wege mit dem Fahrrad trennen, war allein durch die Kameraführung verständlich.

In dieser Szene hat der Schnitt für gute Spannung gesorgt: Nachdem Hugo und Elise im Auto wegfahren, sieht man Sam, der eine Abkürzung nimmt, um sie rechtzeitig zu stoppen. Die Musik war oft südamerikanisch angehaucht, passend zu Tess Eltern, die damals durch Argentinien gereist sind. Nur am Jahrmarkt war niederländische Musik zu hören, was aber auch gut zum Setting gepasst hat.

 

Statements einzelner Jury-Kinder:

„Ein schöner Ort für einen Sommerurlaub.“

„Es war schön, dass so viel Landschaft im Hintergrund zu sehen war.“

„Ich würde den Film weiterempfehlen, weil er herzerwärmend ist.“